Privatjets Lufthansa
© Miriam Migliazzi und Mart Klein

Fliegende Paläste

  • TEXT ANDREAS SPAETH
  • ILLUSTRATIONEN MIRIAM MIGLIAZZI, MART KLEIN

Privatjet? Aber ja! Und wenn schon, denn schon: Superreiche kaufen sich gern mal ein eigenes Großraumflugzeug. Die Kabine darf dann auch etwas prächtiger ausfallen

Ein Flugzeug, schwarz wie die Nacht, nur am Heck prangte ein riesiges Häschen in Schneeweiß – für seinen Privatjet Big Bunny hatte Playboy-Gründer Hugh Hefner sogar die US-Regierung um Erlaubnis bitten müssen: Sonst ist die schwarze Lackierung Militärmaschinen vorbehalten. Aber für Normalität ist wenig Platz in der Welt der Superreichen. Es gilt die Jagd nach Rekorden: mehr Platz, Größe, Luxus und Prunk, mehr Ego und Statussymbole. Davon gibt es kaum eines, das so viel Eindruck macht wie ein eigenes, luxuriöses Großraumflugzeug.

Die Ausstattung der Big Bunny – eine McDonnell Douglas DC-9, ursprünglich mit Platz für mehr als 100 Passagiere – war vom Feinsten: Die Kabine des Flugzeugs, das Hefner 1969 kaufte, ließ sich in eine Disco mit Lichtshow verwandeln. Eine eigene Treppe führte ins Privatgemach des Chefs, wo ein elliptisches Wasserbett thronte, bedeckt von einem Überwurf aus dem Pelz tasmanischer Possums. Die „Jet Bunnies“, Stewardessen in schwarzen Leder-Miniröcken, kümmerten sich um prominente Gäste wie Elvis Presley. Der King of Rock ’n’ Roll war so begeistert, dass er 1975 selbst einen Langstreckenjet kaufte: eine viermotorige Convair 880, die er auf den Namen seiner Tochter Lisa Marie taufte, ausgerüstet mit 52 Lautsprechern und Videoanlage. Doch die Frühzeit luftiger Dekadenz endete jäh – bei Hefner wurde irgendwann das Geld knapper, 1976 musste er seinen ­fliegenden Hasenstall verkaufen, Elvis starb 1977. Sein Flugzeug steht seitdem im Garten der Graceland-Villa in Memphis.

© Miriam Migliazzi und Mart Klein

 Heute sind es Männer wie der Immobilienmogul Donald Trump, die mit ihren fliegenden Palästen protzen. Die Waschbecken und Gurtschnallen in seiner 100 Millionen Dollar teuren Boeing 757 sind aus 24 Karat Gold. Doch die meisten Besitzer privater Großraumjets sind da etwas zurückhaltender, viele legen Wert auf höchste Diskretion. So die beiden Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page, die eine Boeing 767-200 als „Party Plane“ betreiben. Inzwischen sollen sie begehrliche Blicke auf einen neuen Jumbo vom Typ 747-8 geworfen haben.

Die verlässlichsten Käufer für Privatjet-Kabinen sind nahöstliche Herrscherhäuser und Potentaten. Einer von ihnen ist Prinz al-Walid ibn Talal Al Saud. Der 60-jährige Saudi verfügt über ein Vermögen von geschätzten 20 Milliarden Dollar, ihm gehört eine ganze Privatflotte. Darunter sind ein Airbus A321 und eine Boeing 747-400, also Flugzeugtypen, die sonst mehrere Hundert Passagiere befördern. Kaum jemand hat al-Walids Luxusjumbo bisher von innen gesehen – wenige Luftfahrt-Geheimnisse sind so gut gehütet wie Infos zum Interieur solcher Prunkjets. Doch manchmal gewähren auch Potentaten kleine Einblicke in ihre Welt. Ein Filmteam wurde von Prinz al-Walid persönlich durch seinen Himmelspalast geführt, ein Fotograf durfte Bilder machen. Nick Gleis heißt der Mann, der schon rund 900 Privatjets von innen abgelichtet hat. „Die Besitzer wollen damit nicht angeben“, sagt Gleis, „sondern nur ihre Kabine sauber dokumentiert haben.“

© Miriam Migliazzi und Mart Klein
© Miriam Migliazzi und Mart Klein

 Seine Aufnahmen rauben normalen Fluggästen, die mit einer Kabine eher eng nebeneinander platzierte Menschen verbinden, den Atem. Der goldene Thronsessel, den sich al-Walid in die Mitte seines Jumbos stellen ließ, eingefasst von protzigen Ledersofas sowie der Landes- und Firmenflagge, veranschaulicht den Gegensatz zur gewohnten Viererreihe. Fließende Linien bei Licht und Möblierung lassen fast vergessen, dass man in einem Flugzeug sitzt. Prunkvoll wirkt auch die mit goldgerändertem Porzellan und Kristallgläsern gedeckte Tafel für bis zu 14 Gäste. Mit ihren 330 Quadratmeter Nutzfläche bietet die Kabine sogar noch mehr Platz für Extravaganzen – man munkelt von einem Konzertsaal.

Doch wer baut das Ganze? Einer der Marktführer im Segment VIP- und Privatjet-Kabinenausstattung ist Lufthansa Technik in Hamburg. „Wachsender Beliebtheit als Privatjets erfreuen sich jetzt die Boeing 747-8 und die Boeing 777“, sagt Jörg Löwes, technischer Vertriebsleiter im VIP-Bereich bei Lufthansa Technik. „Der Trend geht zu immer größeren Flugzeugen, allein die maßgeschneiderte Kabinenausstattung kostet da schon mal dreistellige Dollar-Millionenbeträge.“

Mehr Platz, Prunk und Ego: der Privatjet als ultimatives Statussymbol

Dafür werden auch Extras wie massiv goldene Waschbecken und Lampen aus Lalique-Kristallen an Bord installiert. „Oft bitten uns Auftraggeber, Elemente aus ihrem Palast an Bord nachzuempfinden, oder etwa die Ledersitze ihres Bentleys“, verrät Löwes. Meist beauftragen die Kunden exklusive Designer mit der Gestaltung. Aktuell im Trend: „Platinierte, matte Oberflächen, exotische Materialien wie Leder oder solche mit ökologischen Merkmalen“, sagt Löwes. Ein Gewebe aus Fischhaut als Wand­bespannung ist bei den Privatjet-Besitzern gerade besonders beliebt. „Ökoschick kommt in Mode, auch bei dieser Klientel“, hat der Experte beobachtet, „Haptik und Erscheinungsbild sind jetzt oft so edel wie noch nie zuvor.“

Ein deutscher Flugkapitän, der anonym bleiben möchte, berichtet von speziellen Erfahrungen: „Ich flog den Jumbo eines Herrscherhauses. Wir hatten einen kleinen Whirlpool an Bord, der auch als Dusche nutzbar war“, erzählt er, „und in der Bugnase unten war ein Privatkino eingebaut – bei uns im Cockpit hat es dann immer gerüttelt, wegen der Basslautsprecher.“ Häufig hob er zu Langstreckenflügen ab, nur weil der Scheich etwas vergessen hatte: „Einmal, wir waren schon in den USA, hatte der Herrscher seine Hausschuhe im Palast daheim liegen lassen“, erzählt der Pilot, „die mussten wir abholen.“ Regelmäßig flog er die Damen der Familie zum Shopping nach Paris, New York oder Los Angeles, manchmal auch nur für ein paar Lippenstifte.

© Miriam Migliazzi und Mart Klein