„Ich liebe es, Menschen zum Lachen zu bringen“

Sandra Bullock

Interview

  • INTERVIEW ANGELA DAWSON

Eine Comedy-Queen sucht neue Herausforderungen – und findet sie: Sandra Bullock über ihren Film „Die Wahlkämpferin“, allzu glatte Politiker, Machos in Hollywood und Deutschstunden mit ihrem Sohn

Ms. Bullock, die wichtigste Frage zu Beginn: Wie war es, für „Die Wahlkämpferin“ erneut mit George Clooney zu arbeiten, selbst wenn er hier „nur“ Co-Produzent war?

Das ist die wichtigste Frage, wirklich (lacht)? Der Typ ist doch total überbewertet, oder? Nein, nein, ich mache natürlich nur Witze. George und ich sind wie Geschwister. Wir kennen uns schon so lange, dass wir uns noch gut an die Zeiten erinnern können, als uns kein Mensch engagieren wollte.

Heute sind Sie beide Superstars …

Ein komischer Gedanke, ganz ehrlich. Aber es ist schon cool, dass man mit unseren Namen etwas auf die Beine stellen kann.

Was meinen Sie damit?

Einen Film wie diese Polit-Satire, in der es um den Kampf zweier amerikanischer Spin Doctors in Südamerika geht, den bekommt man nicht von heute auf morgen produziert. Aber hängt man den Namen Clooney dran, klappt es schon eher.

Wie wählen Sie Ihre Projekte heute aus?

Ich genieße es sehr, Projekte machen zu können, die mich total begeistern. Das 
ist schon ein netter Vorteil, den dir ein bekannter Name einbringt. Das Berühmtsein interessiert mich nicht besonders, aber die Möglichkeit, Projekte umzusetzen, die mir richtig Spaß machen, die interessiert mich sehr.

Wir haben gewonnen! Sandra Bullock in „Die Wahlkämpferin“

Wir haben gewonnen! Sandra Bullock in „Die Wahlkämpferin“

© action press

Wie gehen Sie damit um, dass Sie eine mächtige Frau in Hollywood sind?

Darüber muss ich lachen. Was ist denn schon Macht in der Filmindustrie? Ich mache Filme, ich verkleide mich jeden Tag und veralbere mich selbst. Das soll Macht sein?

Man hätte Sie eher nicht in einem Film wie „Die Wahlkämpferin“ erwartet. Sind Sie politisch aktiv?

Nein, das kann man nicht sagen. Aber ich bin in einer Familie groß geworden, die gespalten war in Republikaner und Demokraten. Deshalb habe ich alle Einflüsse mitbekommen und schon früh viele hitzige Debatten erlebt.

Wie müsste ein Politiker sein, damit Sie ihn guten Gewissens wählen könnten?

Das wäre jemand, der offen und ehrlich mit seinen Fehlern umgeht. Ich finde, dass die Kandidaten heute viel zu manipuliert sind, zu glatt, zu sehr geölt für die Polit-Maschine. Lasst doch die Leute ran, die Fehler gemacht haben in der Vergangenheit, und lasst sie darüber sprechen! Das macht Politik wirklicher, weniger abgehoben, finde ich.

Zu wenige Leute sind bereit, ihre Bequemlichkeit zu überwinden und sich für Veränderungen zu engagieren

Amerika befindet sich im Vorwahlkampf. Können Sie sich vorstellen, für einen der Kandidaten zu werben?

Nein, das mache ich nicht. Meine Einstellung ist: Ich will das Beste für unser Land. Aber zu wenige Leute sind bereit, ihre Bequemlichkeit zu überwinden und sich für Veränderungen zu engagieren. Keiner will das Beste für die Allgemeinheit. Wir leben in einer sehr egozentrischen Gesellschaft.

Ist unsere Gesellschaft zu passiv?

Ja, und sie ist auch immer noch ziemlich frauenfeindlich. Das habe ich am eigenen Leib erfahren. Als Frau habe ich schon in frühen Jahren gelernt, was von mir erwartet wird, wie ich mich zu verhalten habe. Das hat sich dann im Job fortgesetzt. Ich wurde nur für Komödien gecastet, in denen die weibliche Hauptrolle unbedingt an einen Mann gebunden war, eine Art Anhängsel. Das war seltsam.

Das hat sich aber gründlich geändert …

Ja, für mich persönlich hat sich das geändert, aber erst mit „Taffe Mädels“. Das war die erste Komödie, bei der die weibliche Hauptrolle nicht an einen Mann gekoppelt war. Und verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich liebe Männer (lacht)!

Ex-Waldorfschülerin, Tochter einer Opernsängerin und alleinerziehende Mutter: Sandra Bullock

Ex-Waldorfschülerin, Tochter einer Opernsängerin und alleinerziehende Mutter: Sandra Bullock

© Tibrina Hobson/gettyimages

Wie wichtig ist es Ihnen, die Menschen zum Lachen zu bringen?

Ich liebe es. Es ist toll, wenn ich weiß, dass sich die Menschen besser fühlen, wenn sie meine Filme sehen. Doch es ist mindestens genauso wichtig, über sich selbst lachen zu können.

Was würden Sie als ausgebuffte Politikberaterin Jane Bodine, Ihre Figur in „Die Wahlkämpferin“, Donald Trump oder Hillary Clinton mitgeben?

Das hängt natürlich davon ab, für wen ich arbeiten würde, wer mich bezahlt (lacht).

Wenn Sie von jüngeren Kollegen um Rat gefragt werden, was sagen Sie?

Hör auf, den Atem anzuhalten, dir ständig Gedanken zu machen. Geh los und tue es einfach. Das, was du in diesem Leben erleben willst, greif danach!

Sind Sie ein Mensch, der seine Chancen erkennt und ergreift?

Ich hoffe. Früher war ich ein bisschen zögerlicher. Heute bin ich wesentlich forscher und fordernder. Ich glaube, das hat damit zu tun, dass ich Mutter bin. Ich bin einfach zufriedener. Es ist mir schon sehr bewusst, dass ich verdammtes Glück hatte im Leben, mit einigen kleinen Problemen zwischendurch. Aber mit jedem Fehler lernst du dazu, wirst du größer, erwachsener. Auch ich.

Sie haben gesagt, dass Sie Kollegen bewundern, die aus der Routine ausbrechen und auch extreme Rollen spielen. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Ich finde das toll, auch für mich selber, weil ich mich dann so weit wie möglich von mir selbst entfernen kann. Wenn ich immer nur mich selbst spielen würde, wäre das extrem langweilig für die Zuschauer und auch für mich. Im Spiel kannst du Dinge entschlüsseln, die dir Angst machen, dich frustrieren oder unsicher machen. Wer seine Bequemlichkeit besiegt, wird gezwungen, tief in seine Seele zu schauen.

Wie findet denn Ihr fünfjähriger Sohn Louis, dass Mama ein Weltstar ist?

Meinem Sohn ist es egal, wie berühmt die Mama ist. Ich habe ihm das zwar schon mehrmals erklärt, dass ich ein großer Hollywood-Star bin, aber er hat immer nur gelacht, der kleine Frechdachs!

Nun sind Sie ja eine halbe Deutsche. Bringen Sie Ihrem Sohn auch ein paar Brocken Deutsch bei?

Doch, natürlich (auf Deutsch). Ich spreche manchmal auf Deutsch mit ihm. Meist guckt er mich dann mit seinen großen Augen etwas erstaunt an. Aber er hat ein gutes Ohr für die deutsche Sprache und wiederholt oft, was ich ihm sage.