Die Karawane zieht heiter

  • TEXT EMILY BARTELS
  • ILLUSTRATION JOCHEN SCHIEVINK

Die einen lassen es vor der Fastenzeit noch mal krachen, die anderen verjagen die Geister des Winters: Es ist Karneval! Der Narr wird König, Fuchs und Hexe tanzen Hand in Hand. Jeder Jeck feiert anders, aber die ganze Welt steht Kopf.

Illustration: Karnevalsmaske

USA

Fremde Federn

Berühmt sind die Mardi Gras Indians in New Orleans: Afroamerikaner, die sich als Indianer verkleiden, singen und tanzen. Andernorts im Bundesstaat Louisiana ziehen junge Männer durch die Straßen, schwenken Weidenäste oder zerbrochene Angelruten und machen „Jagd“ auf Kinder, die sie mit einem Initiationsritus in die Welt der Großen aufnehmen.

Illustration: Karneval in USA
Illustration: Karneval in Brasilien

Brasilien

Bahn frei!

Der größte Karnevalsumzug der Welt bringt das Sambó­dromo in Rio de Janeiro zum Beben. Vor dem Fest wird die Strecke der Parade gewaschen, mit Duftwasser bespritzt und geweiht – von einem evangelikalen Pastor, einem katholischen Priester und den sogenannten Baianas, die afrikanischen Gottheiten huldigen. Auf den Tribünen drängen sich dann 88 500 Menschen, um das Spektakel zu sehen.

Illustration: Karnevalsmaske
Illustration: Karneval in Deutschland

Deutschland

Hexenjagd

Fast ganz Deutschland feiert die fünfte Jahreszeit, auch abseits der Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz. Der „Schrättelestanz“ etwa läutet die Fasnet in Oberschwaben ein: Hexen tanzen um ein Feuer, bis sie von einer Horde Narren vertrieben werden. Das übrige Volk verkleidet sich mit Holzmasken als Pelzteufel oder Blumennärrle. Der erste Fastnachtumzug fand übrigens 1349 in Nürnberg statt: Für den Schembartlauf verkleideten sich die Metzger und mokierten sich so über die Kleiderordnung der Stadt.

Spanien

Weiße Westen

Für den „Weißen Karneval“ verkleiden sich die Bewohner der kanarischen Insel La Palma als Auswanderer: Männer tragen weiße Anzüge, die Frauen Spitzenkleider, mit Papageienkäfig und Sonnenschirm am Arm. Im Norden Spaniens, in Kantabrien, geht es düsterer zu: „La Vijanera“ bevölkern Füchsin, Bär und die Zarramacos, die sich mit Schafsfellen und Glocken schmücken.

Illustration: Karneval in Spanien
Illustration: Karnevalsmaske
Illustration: Karneval in Italien

Italien

Vom Himmel hoch

Der „Engelsflug“ leitet den Karneval in Venedig ein. Ein vielberüschter Engel – einmal war’s der Rapper Coolio – schwebt an einem Drahtseil vom Campanile am Dogen­palast hinab. Übrigens: Nach 1800 geriet der venezianische Karneval in Vergessenheit; rund 200 Jahre später wurde er für die Touristenscharen wiederbelebt.

Schweiz

Prankenstein

Tschäggättä heißen die Ungeheuer, die im Lötschental (Kanton Wallis) ihr Unwesen treiben. Sie haben Masken mit Hakennasen und blutunterlaufenen Augen auf, tragen zotteliges Fell, breite Schultern, Hörner und rußverschmierte Pranken. Abends streifen sie durch die Dörfer des Tals und erschrecken die unbescholtenen Bürger.

Illustration: Karneval in Brasilien
Illustration: Karnevalsmaske
Illustration: Karneval in Trinidad und Tobago

Trinidad & Tobago

Schlammschlacht

Der lauteste Karneval findet auf der Karibikinsel Trinidad statt. Trommler spielen auf Stahlfässern und liefern sich einen ohrenbetäubenden Schlagabtausch. Auf der Straßenparty am Rosenmontag (J’ouvert) schmieren sich die Feiernden mit Farbe, Schlamm, Schokoladensoße oder Öl ein.