Lufthansa Flotte

„Sage mir, wie du heißt, …

Die Flotte

  • TEXT SASCHA BORRÉE

… und ich sage dir, wer du bist!“ Wer immer dieses Sprichwort erfunden hat, wird  dabei wohl kaum an Flugzeuge gedacht haben. Doch Flugzeugnamen verraten in manchen Fällen – zumindest bei Lufthansa – tatsächlich etwas über die benannten Maschinen. Und aus der amtlichen Kennung können Eingeweihte noch viel mehr Informationen ablesen. Eine kleine Namens- und Kennzeichenkunde

Preisfrage: Welcher Flugzeugtyp wird hier gezeigt? Eingeweihte können an der Kennung D-AIMA ablesen, dass es sich um eine A380 handeln muss

Preisfrage: Welcher Flugzeugtyp wird hier gezeigt? Eingeweihte können an der Kennung D-AIMA ablesen, dass es sich um eine A380 handeln muss

© Deutsche Lufthansa AG

Er heißt „Frankfurt am Main“, wird aber auch „Mike Alpha“ genannt. Wer ganz korrekt sein will, sagt am besten D-AIMA. So weit alles klar? Die Rede ist hier vom ersten Airbus A380, der im Mai 2010 an Lufthansa ausgeliefert wurde. Wie die meisten Flugzeuge der Airline hat er nicht nur eine amtliche Kennung, sondern auch einen Namen – und darüber hinaus noch eine Art Spitznamen. Zunächst wäre da also die Kennung. Sie ist an beiden Seiten des Flugzeugrumpfs zu finden, meist direkt neben den hintersten Türen der Maschine. Bei Flugzeugen von Lufthansa setzt sie sich stets aus fünf Buchstaben zusammen. Dabei kodiert der erste Buchstabe das Land, in dem die Maschine zugelassen wurde: „D“ steht hier für Deutschland. Der zweite Buchstabe verrät Art und Gewichtsklasse einer Maschine. Ein „A“ kennzeichnet motorisierte Flugzeuge mit einem maximalen Startgewicht von mindestens 20 Tonnen – also alle im regulären Linienverkehr bei Lufthansa eingesetzten Maschinen.

Der dritte Buchstabe kodiert den Hersteller des Flugzeugs, etwa Airbus („I“) oder Boeing („B“). Mit dem vierten Buchstaben markiert man den Flugzeugtyp: Beispielsweise erhält die A380 hier ein „M“, die 747-8 ist am „Y“ erkennbar. Der fünfte Buchstabe wird schließlich frei vergeben, erst durch ihn lassen sich Flugzeuge des gleichen Typs mit einer individuellen Kennung versehen. So kann also auch die Kennung D-AIMA für eine A380 abgeleitet werden. Im Fliegeralltag wird diese Buchstabenfolge allerdings selten in ganzer Länge genutzt, stattdessen beschränkt man sich auf ihre letzten beiden Buchstaben. Und spricht sie, um Missverständnisse zu vermeiden, gemäß der internationalen Buchstabiertafel aus: D-AIMA wird zu „Mike Alpha“.

Die D-AIMA war der erste an Lufthansa ausgelieferte Airbus A380. Benannt wurde er nach dem wichtigsten Hub der Airline: „Frankfurt am Main“

Die D-AIMA war der erste an Lufthansa ausgelieferte Airbus A380. Benannt wurde er nach dem wichtigsten Hub der Airline: „Frankfurt am Main“

© Deutsche Lufthansa AG
Jumbos, hier die „Sachsen“, werden traditionell nach Kontinenten sowie deutschen Bundesländern und Städten mit eigenem Flughafen benannt

Jumbos, hier die „Sachsen“, werden traditionell nach Kontinenten sowie deutschen Bundesländern und Städten mit eigenem Flughafen benannt

© Deutsche Lufthansa AG
Ihre ursprüngliche Kennung D-AQUI darf diese Ju 52 offiziell nicht mehr führen: Ein „A“ an zweiter Stelle der Buchstabenfolge steht heute für Maschinen mit einem maximalen Startgewicht von mindestens 20 Tonnen, die „Tante Ju“ wiegt deutlich weniger. Beim Luftfahrtbundesamt ist sie daher als D-CDLH zugelassen

Ihre ursprüngliche Kennung D-AQUI darf diese Ju 52 offiziell nicht mehr führen: Ein „A“ an zweiter Stelle der Buchstabenfolge steht heute für Maschinen mit einem maximalen Startgewicht von mindestens 20 Tonnen, die „Tante Ju“ wiegt deutlich weniger. Beim Luftfahrtbundesamt ist sie daher als D-CDLH zugelassen

© Deutsche Lufthansa AG

 Doch wie kommt „Mike Alpha“ dann zu dem Namen „Frankfurt am Main“? Die entsprechende Tradition ist bei Lufthansa schon vor mehr als einem halben Jahrhundert entstanden: Seit 1960 benennt der Konzern Flugzeuge aus seiner Flotte. Damals wurden zunächst die ersten Langstreckenjets getauft, sie erhielten die Namen von Kontinenten sowie von westdeutschen Großstädten mit eigenen Flughäfen. Als die Flotte weiter wuchs, wurden diese Kriterien angepasst. Großflugzeuge wie die Boeing 747 benannte man jetzt zusätzlich nach Bundesländern. Auch mittelgroße Städte ab 40 000 Einwohnern stehen heute bei der Benennung von Kurz-, Mittel- und Langstreckenmaschinen Pate. Kleinere Städte mit weniger als 40 000 Einwohnern verleihen ihre Namen an die Flieger von Lufthansa Regional.

Als Faustregel gilt also: Je größer das Flugzeug, desto größer der Namensgeber. Ausnahmen sind allerdings möglich, etwa wenn eine Maschine die Flotte verlässt. In so einem Fall wird ihr Name auf ein neues Flugzeug übertragen, nur bietet sich nicht immer gerade ein Neuzugang von passender Größe an. Rekordhalter bei diesen Namenswechseln ist übrigens Stuttgart – die Landeshauptstadt Baden-Württembergs stand schon für sechs verschiedene Passagiermaschinen Pate. Ostdeutsche Städte wie Dresden oder Leipzig holen dagegen noch auf, sie werden erst seit der Wiedervereinigung berücksichtigt.

Eine Besonderheit stellt der Airbus A340-300 mit der Kennung D-AIFC dar. Er trägt seit 2002 den Namen „Gander/Halifax“ – und wurde so als erste Maschine der gesamten Flotte nach einem ausländischen Ort benannt. Als am 11. September 2001 der komplette US-amerikanische Luftraum gesperrt wurde, landeten binnen weniger Stunden 81 Passagierflugzeuge auf den Flughäfen der namensgebenden kanadischen Kleinstädte, darunter viele Maschinen von Lufthansa. Mit der Flugzeugtaufe bedankte sich das Unternehmen bei den Bewohnern von Halifax und vor allem Gander für die großzügige Unterstützung. Auch für den Airbus A380 passte Lufthansa die Benennungskriterien erneut an. Namensgeber sind hier Drehkreuze der Airline sowie Städte, die sie mit dem neuen Riesenflieger ansteuert. Dabei werden deutsche wie internationale Metropolen berücksichtigt. Natürlich war es eine Frage der Ehre, nach welcher Stadt die erste A380, also die D-AIMA, benannt werden würde: Als wichtigster Hub von Lufthansa fiel die Wahl auf Frankfurt am Main.