„Ich liebe es, wenn jemand ›Action!‹ ruft“

Jodie Foster

Interview

  • INTERVIEW FRANCESCA CARUTTI, FRANK SIERING

Das Geld und die Gier – in „Money Monster“ zeigt Jodie Foster die dunklen Seiten der Wall Street. Im Interview spricht sie über TV-Serien, Therapien und die Liebe zu Deutschland

Ms. Foster, endlich führen Sie mal wieder Regie. Für Ihren neuen Film „Money Monster“, der die schmutzigen Geschäfte an der Wall Street behandelt, haben Sie George Clooney und Julia Roberts gewinnen können. Was hat Sie an diesem Projekt gereizt?

Die Geschichte ist sehr typisch für unsere Zeit. Die Wall Street, generell das Thema Geld, beschäftigt uns doch alle, fasziniert uns bis an den Rand des Wahnsinns.

Wie wichtig ist Ihnen, die Sie nicht unter Armut leiden, denn Geld?

Klar ist, dass Geld ein ewiges Thema ist und dass es viel Leid verursachen kann. Geld ist für uns alle immer ein Thema. Geld ist ein Mittel, einen gewissen Wert auszudrücken. Aber das Geld selbst ist nicht der Feind. So sehen es die Figuren im Film, und so sehe ich es auch.

Was meinen Sie damit?

Ich glaube, dass wir alle ein bisschen durcheinander sind, wenn es darum geht, was echte Werte sind. Bin ich es wert, geliebt zu werden, weil ich Geld habe? Sollen sich die Leute an mich erinnern, weil ich reich bin? Geld ist eine Messlatte für Erfolg. Ich wollte die Frage stellen, ob das wirklich alles ist. Mein Film behauptet nicht, dass Kapitalismus falsch ist. Er untersucht vielmehr, wie sich Menschen im Kapitalismus ausdrücken, wie sie sich über Geld definieren.

Regisseurin Jodie Foster mit George Clooney am Set von "Money Monster"

Regisseurin Jodie Foster mit George Clooney am Set von "Money Monster"

© intertopics

Ist es Ihnen wichtig, mit Ihren Filmen gesellschaftspolitische Diskussionen auszulösen?

Filme haben mein ganzes Leben beeinflusst, mehr als jede andere Kunstform. Und ich hoffe, dass die Menschen, die meine Filme sehen, sich auch wirklich damit befassen. Es ist schön, wenn über deine Arbeit diskutiert wird, ich mag das. Aber ich bin auch eine große Anhängerin von Malerei, Bildhauerei und Musik.

Jeder hat eine andere Art und Weise, sich auszudrücken?

So ist es. Wir finden einen Weg, der Welt mitzuteilen, wer wir wirklich sind. Für mich werden Filme immer mehr sein als nur Entertainment.

Ihr Film ist sicher mehr als das, er beleuchtet präzise die Schattenseiten der Finanzwelt …

Wir blicken auf die Finanzwelt und sehen ein mysteriöses Monster, das wir nicht verstehen. Ich glaube, wir sollen es auch gar nicht verstehen. Die Banker und die anderen Menschen in der Finanzwirtschaft wollen, dass es unverständlich bleibt. Es ist in ihrem Interesse.

Das klingt nach einer Verschwörungs­theorie …

Nun, da sind Mächte am Werk, die wissen, was sie tun. Und fast noch wichtiger: Sie wissen, wie sie mit uns allen Geld machen können.

Der Regiestuhl ist die letzte Männerbastion in Hollywood

Zuletzt haben Sie fürs Fernsehen Regie geführt bei der Serie „Orange is the New Black“. Verändert die TV-Arbeit Ihre Art des Filmemachens?

Ich habe immer sehr gern sehr schnelle Filme gedreht. Denn die meiste Zeit habe ich nicht genug Geld, um mir viel Zeit zu lassen. Auch deshalb muss ich eine ziemlich klare Vorstellung von dem Film haben, den ich drehen will. Die Arbeit fürs Fernsehen hat mir dabei sehr geholfen.

Ihr Film beschäftigt sich mit Nieder­lagen. Sind die interessanter als Siege?

Es ist einfach, erfolgreich und glücklich zu sein. Aber wie gehen wir damit um, wenn es mal nicht so rund läuft? Es ist faszinierend zu beobachten, wie Menschen in Krisen reagieren.

Ihr Erfolg hat Regisseurinnen in Hollywood viel Hoffnung gegeben, es auch schaffen zu können. Ist das ein angenehmer Nebeneffekt?

Die Welt verändert sich radikal, heute machen mehr Frauen Filme denn je. Trotzdem ist der Regiestuhl so etwas wie die letzte Bastion in Hollywood, die noch von Frauen gestürmt werden muss. Ich hoffe, dass Frauen nicht als eine gehypte Marketing-Chance für die Studios gesehen werden. Ich will nicht, dass es etwas ganz Besonderes ist, wenn eine Frau einen Film macht. Frauen sind genauso fähig, gute Arbeit abzuliefern wie ihre männlichen Kollegen.

Wie sehen Sie Hollywood heute?

Ich bin schon so lange im Geschäft, da habe ich viele verschiedene Phasen durchlebt. Viele Ziele, die ich mir gesteckt hatte, habe ich tatsächlich erreicht. Das überrascht mich manchmal immer noch. Ich muss mir keine großen Sorgen mehr darüber machen, was andere Leute von mir wollen, was sie von mir erwarten.

Werden Sie sich künftig auf die Regie­arbeit konzentrieren, oder kann man Sie auch wieder vor der Kamera sehen?

Ich werde wohl niemals aufhören, als Schauspielerin zu arbeiten. Ich mag es, wenn jemand „Action!“ ruft, deshalb werde ich weitermachen. Den Rest vermisse ich allerdings nicht. Ich kann ganz gut ohne diese Promi-Kultur leben.

Wovor haben Sie heute noch Angst?

Ich bin kein Fan von Schlangen, die machen mir Angst. Ansonsten bin ich ein sehr rationaler Mensch mit wenigen Phobien. Manchmal denke ich, dass ich meine Phobien in meinen Filmen auslebe.

Filme als Selbsttherapie … Sind Sie als Mutter denn übervorsichtig oder eher entspannt?

Relativ entspannt. Das liegt allerdings daran, dass meine Mutter übervorsichtig war, wohl auch deshalb gehe ich mehr in die andere Richtung und lasse oftmals zu viel durchgehen. Aber sagen Sie das nicht meinen Jungs (lacht).

Stimmt es, dass Sie als Kind mit Ihrer Mutter ins Kino gegangen sind, um sich dort deutsche Filme anzuschauen?

Ja, so bin ich schon in frühen Jahren den Filmen von Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff begegnet. Ich war total fasziniert, es hat meine Liebe zum Kino nur gestärkt.

Ohnehin gelten Sie als Deutschland-Fan. Wie kommt’s?

Ich bin ein großer Berlin-Fan. Die Stadt ist so aufregend, eine echte Drehscheibe Europas, ich habe einige Freunde dort. Und ob Sie’s glauben oder nicht: Auch die oft so geschmähte deutsche Küche finde ich hervorragend.