Mazthias Matschke im Shooting für Lufthansa Exclusive
© Gregor Hohenberg

Komischer Kerl

  • TEXT HELGE HOPP
  • PRODUKTION OLAF BORCHARD
  • FOTOS GREGOR HOHENBERG
  • STYLING INGO NAHRWOLD

Charakterdarsteller, Musiker und Spaßmacher – was für eine furiose Kombination! Für Künstler wie Matthias Matschke muss man einfach dankbar sein. Und siehe da, modeln kann er auch noch

 Matschke, die erste: Auf gutem Weg

Mannomann, denkt man, wenn man die Liste seiner Theater-, TV- und Filmarbeiten sieht, ist der fleißig! Erst viele kleine Rollen, dann einige große, zuletzt in der „Helen Dorn“-Reihe und als beklemmender Ehrenwort-Verpfänder in „Der Fall Barschel“, weiterhin im „Polizeiruf 110“ als anstrengender neuer Kollege von Claudia Michelsen und in der leidlich lustigen ZDF-Reihe „Sketch History“. Arbeitet wohl gern, der Matschke.

Und das Modeln heute, in diesem Wahnsinnsklotz St. Agnes, der Ex-Kirche, wo jede Betonwand klarmacht, warum dieser Stil Brutalismus heißt? „Ja, das war ganz toll.“ Er macht das höchstens zweimal im Jahr, aber mit großer Freude.

Für mich, selbst so fotobegeistert, ist das natürlich klasse. Ich gucke dann immer heimlich, was hat der jetzt für ’ne Blende, welche Aufhellung benutzt er, das ist wie ein Kurzpraktikum. Heute war ich besonders stolz, weil Gregor die gleiche Kamera und das gleiche Objektiv benutzt hat, die ich auch habe. Das heißt, ich bin auf einem guten Weg.“

Mazthias Matschke im Shooting für Lufthansa Exclusive

Hose PRADA, 950 Euro | Hemd 79,90 Euro | Mantel 239,90 Euro, beides ANTONY MORATO

© Gregor Hohenberg
Mazthias Matschke im Shooting für Lufthansa Exclusive

Hose 750 Euro | Hemd 650 Euro | Mantel 2950 Euro | Schuhe 890 Euro, alles LOUIS VUITTON | Socken FALKE AIRPORT, 40 Euro | Krawatte J.CREW, 80 Euro

© Gregor Hohenberg

 Matschke, die zweite: volkes liebling

Vor sechs Jahren, ein Termin mit ihm und Kurt Krömer, dem scheinbaren Berliner Anarcho-TV-Moderator, der aber oft nur so spontankrawallig tut. In Wahrheit visiert er seine Gags an wie ein Jagdflieger seine Ziele, chirurgisch präzise. Paff!

Unser Thema: Freundschaften. Krömer lärmte recht halbstark herum. Matschke hingegen, damals noch bartlos, weich, knuffig, fast schüchtern, aber stets wachsam, in kurzen Momenten eine sehr elastische, sehr gute Witzfigur, gab sich als fein lächelnder Kompagnon, versteckte sich hinter einer launigen kleinen Begriffsstutzigkeit und schwor auf Brettspiele als ideales Abendvergnügen.

Da war er schon wer, und zwar in beiden Teilen Berlins, beim Theater. Bei den Großen, der Volksbühne (Ost) und der Schaubühne (West). Aber er war noch nicht berühmt, er wusste das, aber es war ihm herzlich egal, das war nicht das Hauptziel.

Die Masse kennt einen aus dem Fernsehen, oder sie kennt einen nicht. Die Masse kannte Matschke damals aus „Ladykracher“ (wo er sich sehr viel gefallen lassen musste) und als Hagen, jüngerer Bruder von „Pastewka“ (dem es nicht viel besser erging).

Matschkes Spezialität in dieser Zeit: der verdutzte Spießer. Matschkes Problem in dieser Zeit: Viele hielten ihn für einen Comedian, der Glück mit Autoren hat. Sein Trost: Einige erkannten, dass er ein fantastischer Komiker ist. Und ein exzellenter Tempoverschärfer: von null auf hundert in drei Grimassen.

 Matschke, die dritte: der sportler in mir

Er ist ein Hochleistungsspieler. Highspeed, ohne Schonung, aber auf den Punkt. „Ich komme mir vor wie ein Leichtathlet: Entweder man geht auf die Langstrecke, oder man wird Sprinter. Manche Filme sind wie ein 100-Meter-Lauf, manche wie 800, einige 5000 oder 10 000, dann kommt der Marathon. Es ist immer eine Frage der Einteilung. Wenn du weißt, du musst 100 Meter laufen, teilst du dir deine Kräfte anders ein, als wenn da noch 42 Kilometer folgen.“

Klingt nach erprobtem Muster: Spieler, Sportler, Diven. Sag mal, Matschke, du rasanter Gaukler, gibt’s da eine Vorliebe für Sport-Metaphern und -vergleiche? Er guckt perfekt unschuldig. „Nein, das habe ich hier eben gerade erfunden!“ Grinsen.

„Aber kommt ganz gut hin, Kondition ist sehr wichtig für Schauspieler; auch bei der Disziplin, die es braucht zum Proben oder zum Trainieren, sehe ich Parallelen. Und man muss bei beidem auf den Punkt hin fit sein, da ist ein Dreh oder eine Aufführung wie ein Wettkampf.“ Und beide Male interessiert das Publikum herzlich wenig, wie gut der Sportler im Training war, wie sehr der Schauspieler auf der Probe brilliert hat …

Matthias Matschke fotografiert von Gregor Hohenberg für Lufthansa Exclusive

Hemd CLOSED, 169 Euro | Mantel MARC O'POLO, 399,90 Euro

© Gregor Hohenberg
Matthias Matschke fotografiert von Gregor Hohenberg für Lufthansa Exclusive

Hose CALVIN KLEIN, 139 Euro | Mantel MARC O'POLO, 399,90 Euro | Schuhe LOUIS VUITTON, 890 Euro | Socken PRADA, 90 Euro

© Gregor Hohenberg
Matthias Matschke fotografiert von Gregor Hohenberg für Lufthansa Exclusive

Hose GTA MANIFATTURA PANTALONI, 249,95 Euro | Mantel CALVIN KLEIN, 399 Euro | Schuhe DRIES VAN NOTEN, 650 Euro

© Gregor Hohenberg

 Matschke, die vierte: in den reiseschuhen

Es war einmal, es war bei Darmstadt, ein etwas ratloser Schüler, aus dem ein etwas planloser Jugendlicher und Abiturient wurde. Er mochte die Bücher, er interessierte sich für Religion, er traute sich nicht so arg viel zu. Er spürte Talente, aber wie denn nun die alle unterbringen in nur einem Beruf?

Man bedenke allein den musikalischen Teil: Cello, Geige, Gitarre, Mandoline, Kontrabass. „Seitdem ich das mache, staune ich. Ich will immer vorwärts. Es gibt dieses alte Volkslied, ,Mich brennt’s in meinen Reiseschuhn – fort mit der Zeit zu reisen – was wollen wir agieren nun – vor soviel klugen Leuten?‘, von Joseph von Eichendorff, das hat mir mein Deutschlehrer in der Oberstufe zugeschrieben, diese Zeilen … die anderen bekamen Goethe und ähnliche Berühmtheiten, ich saß da und konnte mit diesem Gedicht nichts anfangen. Und heute denke ich: Ja, das bildet viel von mir ab, was für eine treffende Wahl.“

 Matschke, die fünfte: Es geht voran!

Jetzt will er’s wissen. Was noch so geht, wenn einen immer mehr kennen und viele mögen. „Ich glaube, meine vorsätzliche Ziellosigkeit hat mir einiges an Gelassenheit geschenkt“, analysiert er selbst, „natürlich bin ich immer etwas unruhig, weil ich ein ehrgeiziger Mensch bin – ohne Ehrgeiz kann man diesen Beruf ja auch nicht betreiben. Aber es ist ein neugieriger Ehrgeiz, er hat kein festgelegtes Ziel.“

Aber wenn er ein echtes, sehr konkretes Ziel hat, zum Beispiel eine (und sei es auch noch so kleine) Rolle in Wes Andersons tollem Filmspektakel „Grand Budapest Hotel“ zu ergattern, dann hängt er sich voll rein, mit allem. Und freut sich, dass es geklappt hat. Und lässt fein leise anklingen, was in der Branche laut geflüstert wurde: Da hatten sich viele, auch Berühmtere, beworben. Matschke hat eine Rolle gekriegt, als verschlagener Gefängniswärter, eine kleine Rolle, aber immerhin.

Mazthias Matschke im Shooting für Lufthansa Exclusive

Anzug BRIONI, 4425 Euro | Hemd PEPE JEANS, 85 Euro | Mantel JOOP!, 449 Euro | Anstecknadel TOPMAN, 20 Euro

© Gregor Hohenberg
Mazthias Matschke im Shooting für Lufthansa Exclusive

Hemd 79,90 Euro | Mantel 239,90 Euro, beides ANTONY

© Gregor Hohenberg

 Matschke, die sechste: Eine gewisse Demut

Er trägt Bart, diese Sorte Überzeugungsbart, die sagt: Ich bin jetzt erwachsen. Er wirkt entschlossener, weniger Teddy, mehr Kerl. Aber doch irre charmant – besonders wenn er in Buster-Keaton-Manier verzweifelt schweigt. Wenn er geistreich oder albern rast, tobt, springt, sich biegt, sich windet, unkaputtbar.

Für mich kam alles zum rechten Zeitpunkt

Er ist froh über diese allmähliche Anfertigung des Ruhms, ist gewappnet. „Für mich kam alles zum rechten Zeitpunkt. Wäre ich ein jugendlicher Shootingstar gewesen, hätte mich das wahrscheinlich heillos überfordert. Ich mochte diese Situation sehr, das Theater als Labor, als Lern- und Versuchsanstalt. Diese Zeit hat mir auch eine gewisse Demut beigebracht. Denn ob verdient oder nicht, du fängst immer bei null an, jeden Abend wieder. Keiner klatscht heute für den Auftritt von gestern.“

 Matschke, die siebte: sturz ins glück

Wir wollen einander bitte nicht falsch verstehen: Saturiert ist er nicht, bequem wird der so schnell nicht. Der bleibt auch als Meister lernwillig: „Es kommt mir vor, als würde ich immer neue, kleine Teile lernen, wie Ausschnitte, und meine Arbeit ist es, diese Teile zu einem Ganzen zusammenzufügen.“

Er bleibt ein Kobold, der den perfekten Moment abwartet, um sein Publikum zu überfallen, zu übertölpeln, ein Lehrling des großen Groucho Marx. Er stürzt sich ins Glück. „Mein Motto konnte immer nur sein: aufsaugen, annehmen, erleben, so viel wie möglich – ich will immer noch mehr sehen, spüren, erfahren. So bin ich, fast unbemerkt von mir selbst, zum Abenteurer geworden. Das hätte ich nie von mir gedacht.“

Diese Neugierde treibt ihn immer wieder zur Fotografie, als wollte er sich doch noch teilen. „Wenn ich nicht spielen müsste, würde ich meine Kamera nehmen, irgendwohin reisen und loslaufen, gucken, was da ist. Ich beschleunige mich sehr gern selbst. Der Unterschied zu früher: Damals wäre ich losgerannt, heute achte ich besser auf meinen Anlauf.“


 

Ein Beitrag aus dem Vielflieger-Magazin Lufthansa Exclusive. Mehr zu den Miles & More Angeboten von Lufthansa erfahren Sie hier.