Illustration: Reisesouvenirs
© Miriam Migliazzi und Mart Klein

Bring dir doch was mit!

  • ILLUSTRATIONEN MIRIAM MIGLIAZZI, MART KLEIN

Eine Spieluhr aus Brüssel, ein Skateboard aus L.A. und ein neuseeländisches Porzellanschaf … Unsere Autoren erzählen von ihren liebsten Reise-Souvenirs

Ein Blick auf den Kühlschrankmagneten, und es ist alles wieder da: die Promenade der Küstenstadt Alghero, die mit Pinien bewachsenen Strände Sardiniens, das wunderbar süße Pistazieneis. Mögen Außenstehende das Ding kitschig finden – ein Souvenir macht gute Laune, weil es uns zurück ins Abenteuer zaubert und vom nächsten Flug in die Ferne träumen lässt. Oder weil es den Menschen, die wir beschenken, zeigt: Unterwegs haben wir an sie gedacht.

Etwas mitzunehmen scheint ein menschliches Grundbedürfnis zu sein, denn Mitbringsel waren das erste Massenprodukt der Geschichte. Captain Cook verließ Botany Bay 1770 mit Schilden und Speeren der eingeborenen Australier. Später wurde es friedlicher: Souvenir-Löffel kamen in Mode.

1893 wurde auf der Weltausstellung in Chicago der erste Apparat vorgestellt, der Münzen verformt und in Andenken verwandelt – die Automaten gibt es bis heute. Genau wie die Schneekugel, die Ende des 19. Jahrhunderts von dem Wiener Erwin Perzy zum Patent angemeldet wurde. Ob Löffel, Kugel oder Münze: Ein Souvenir gehört ins Rückreise-Gepäck. Unbedingt. Immer.

Bring dir doch was mit! Lufthansa Magazin Oktober 2016
© Miriam Migliazzi und Mart Klein

MARTIN HÄUSLER
Freier Autor

Als glühender Beatles-Fan erwies ich John Lennon zum 50. Geburtstag in Liverpool die Ehre – zusammen mit Kölner Gleichgesinnten. Wir besuchten alle mystischen Orte, ein Karnevalsständchen verschaffte uns sogar Zutritt zum Geburtshaus Ringo Starrs. Eine ältere Dame zeigte uns sein Kinderzimmer, kochte uns Tee. Irgendetwas musste ich zum Andenken an diesen denkwürdigen Moment mitnehmen. Klauen kam nicht infrage, aber, hey, so viel Gras hinten im Garten! Ich entnahm eine Probe und steckte sie in ein Fotodöschen – für mich damals eine kostbare Reliquie.

Bring dir doch was mit! Lufthansa Magazin Oktober 2016
© Miriam Migliazzi und Mart Klein

KIRSTEN MILHAHN
Freie Autorin

Im Norden Kenias leben die Samburu, ein Hirten- und Nomadenvolk. Die Krone mit dem Stirnkreuz bekommt eine junge Frau von ihrem Verlobten geschenkt, sie trägt sie dann bis zur Hochzeit. Die Frauen in einem Dorf bei Maralal haben mir gezeigt, wie sie leben und wie sie den wertvollen Perlenschmuck herstellen. Bei einer Fotosession setzte eine von ihnen mir ihre Krone auf. Als ich sie ihr zurückgeben wollte, sagte sie entschieden: „Die behältst du.“ Grinsend fügte sie hinzu: „Ich bin schon verheiratet.“

Bring dir doch was mit! Lufthansa Magazin Oktober 2016
© Miriam Migliazzi und Mart Klein

STEFAN SCHREIBER
Chef vom Dienst

In das Porzellanschaf des Künstlers Gregor ­Kregar habe ich mich auf einer Neuseeland-Reise verliebt. Allerdings machte der Transport nach Hause mir Sorgen. Koffer oder Handgepäck? Wer reist schon mit einem Porzellanschaf um die Welt? Der Zoll in Singapur war tatsächlich sehr interessiert. Kaufbeleg? Bitte schön. Einmal schütteln. Nichts raschelte. Dann zum Röntgen. Ein leeres Schaf. Kein Hasch, kein Gras, kein Schnee. Hier, bitte schön, geht’s zum Transitbereich. So hat die Liebe gehalten.


HELGE HOPP
Redaktionsleiter

Mein Besuch in Brüssel war eine verspätete kleine Pilgerfahrt. Vor allem der Vormittag im Museum, das Jacques Brel gewidmet ist. Dieser Mann, der sich singend verausgabte wie ein wahnsinniger Boxer, ein Meister des Rhythmuswechsels, ein Liebender, ein Spötter, mein Held und Belgiens Ehrenrettung. Die Spieluhr ist ein Echo meiner Liebe. Sie spielt „Bruxelles“, ein Chanson, in dem der Beginn des 20. Jahrhunderts skizziert wird, als Brüssel sang, tanzte, träumte, als es „brüsselte“. Das zarte Klimpern der Spieluhr will nicht so recht zu der kraftvollen Melodie passen – egal, heulen könnt ich jedes Mal wieder.

EMILY BARTELS
Redakteurin

Meine Freundin und ich wankten durch die Anden, vorbei an Kakteen, die trotzig wie Tausende ausgestreckte Mittelfinger in die Höhe ragten. Seit dem letzten Halt in einem argentinischen Dorf wog mein Rucksack fünf Kilo mehr. Auf 4000 Meter Höhe ist so ein handgeknüpfter Teppich nicht das ideale Souvenir. Schlau war ich nicht damals, aber stark: Ich schleppte den Teppich über Berge und zwei Kontinente, brachte ihn über den Atlantik – bis in meine deutsche Küche.

ADRIAN PICKSHAUS
Chefredakteur

In der Ferne kaufe ich Turnschuhe. Paare, die es zu Hause nicht gibt. So schlüpfe ich jeden Morgen in ein Stück Urlaub. In der Hongkonger Fa Yuen Street, auch „Sneaker Street“ genannt, verkaufen Hunderte Händler Turnschuhe. Per Rolltreppe gleite ich an Manga-Mädchen und Neo-Punkern vorbei – bis ich ein Paar in den Händen halte, das ich seit Jahren suche. Der Geruch von butterweichem Leder steigt mir in die Nase, dazu der Dunst einer Garküche. Ich bin glücklich.


Bring dir doch was mit! Lufthansa Magazin Oktober 2016
© Miriam Migliazzi und Mart Klein

LASLO SEYDA
Freier Autor

Von einem alten Kanusportler in Kanada bekam ich im Sommer 2015 ein Paddel geschenkt. Aus Birke und Ahorn, versiegelt mit Nussbaumöl. Fünf Tage lang begleitete es mich auf meiner Kanutour durch den Wabakimi Provincial Park im wilden Nordwesten Ontarios. Mit meinem Paddel stieß ich mich von Kieselstränden ab, hinaus in die Weite. Es gab mir Halt auf den glitschigen Steinen der Stromschnellen, die ich zu Fuß durchqueren musste. Und jedes Mal, wenn ich heute auf der Alster in See steche, singt dieses Stück Holz die Melodie aus Kanada.

Bring dir doch was mit! Lufthansa Magazin Oktober 2016
© Miriam Migliazzi und Mart Klein

KATRIN SCHMIEDEKAMPF
Freie Autorin

Mein Vater liebt persische Süßigkeiten. Also kauften wir in Yazd kleine, mit Safran und Rosenwasser verfeinerte Küchlein, Kekse aus Reismehl, triefende Sirupkringel. Wo aber sollten wir die Einkäufe bei 40 Grad während unseres Rundgangs durch die Lehmstadt lagern? Der Taxifahrer hatte eine Idee: Er nahm den Karton mit und stellte ihn bei seiner Mutter in den Kühlschrank. Am Abend, als er uns zum Bahnhof fahren sollte, brachte er ihn wieder mit. Die Rückmeldung meines Vaters: „Schmeckt herrlich.“

Bring dir doch was mit! Lufthansa Magazin Oktober 2016
© Miriam Migliazzi und Mart Klein

MORITZ HERRMANN
Reporter

Beim Skateboarden ist es so: Was dir an Technik fehlt, musst du mit Material wettmachen. Ich hatte stets die besten Boards. So wurde ich älter, aber nicht besser. Eines meiner Boards kommt aus Venice Beach. Dort muss man kiffen oder skateboarden, um nicht aufzufallen, und weil ich mir das Rauchen abgewöhnt habe, kaufte ich das Board, viel zu teuer, trug es die meiste Zeit unter dem Arm, aber hey, ich gehörte dazu! Heute fahre ich damit nur noch kurze Strecken in meiner Wohnung. Ich stürze fast nie.


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