Tuk-Tuks sind in Lissabon ein beliebtes Fortbewegungsmittel
© Tim Möller-Kaya

Die Tuk-Tuks von Lissabon

  • TEXT HELGE TIMMERBERG
  • ILLUSTRATION TIM MÖLLER-KAYA

Wir gehen in Lissabon auf einer Straße, die sich wie eine Treppe benimmt, steil bergab, und als wir endlich unten sind, traue ich meinen Augen nicht, weil da ein Tuk-Tuk steht und ich so etwas nur aus Indien kenne. Halb Auto, halb Motorrad, entweder genutzt als Mini-Lastwagen, dann hat es hinten eine Ladefläche, oder als Billigtaxi mit Sitzbänken. Und es macht einen Heidenspaß, mit ihnen zu fahren, wenn man die Nerven dafür hat.

Der Name bezieht sich auf die Motorgeräusche. Die Unterschiede sind offensichtlich: Nicht nur das Lissaboner Tuk-Tuk sieht besser aus als die Modelle im fernen Hindustan, auch die Frau am Lenker. Blond, schlank, Mitte 30, fließendes Englisch mit osteuropäischem Akzent.
Sie fährt uns vom Praça dos Restauradores über den Praça do Município und den Praça do Comércio in das Altstadtviertel Alfama für – natürlich auch sehr unindische – 25 Euro. In Asien sind Tuk-Tuks die billige Alternative zum Taxi, in Lissabon die teure. Aber das Fahrgefühl ist dasselbe. Ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Romantik, ein bisschen Wind in den Haaren. Es dauert nicht lange, und ich sehe sie überall: Tuk-Tuks in allen Größen und Farben, von jungen, schönen Menschen gefahren, die sich damit ihr Studium oder sonstwas verdienen.

Und weil das für sie und für die Touristen eine gute Sache ist, mache ich das dreimal mit, dann steige ich auf die dreimal billigeren normalen Taxis um und erfreue mich durch die heruntergelassenen Seitenfenster nur noch am Anblick der Tuk-Tuks. Ein guter Trick. In Indien nennt man das „Only watch, no buy“.

LIS

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Unser Kolumnist, 1952 geboren, trampte mit 17 Jahren erstmals nach Indien und traf anschließend seine Berufswahl: Reiseautor. Seitdem pflegt er sein heftiges Fernweh, schreibt Reisebücher aus aller Welt – und jeden Monat hier.

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