Horst Schuller und Claus-Peter Tödten von Lufthansa Technik
© Jan Brandes

„Sicherheit geht vor!”

  • TEXT SASCHA BORRÉE
  • FOTOS JAN BRANDES

Horst Schuller und Claus-Peter Tödten betreuen bei Lufthansa Technik die Flugbereitschaft BMVg der Luftwaffe, die auch Minister und Kanzler fliegt. Hier erzählt das Duo über seine Arbeit für den besonderen Kunden.

Wir inspizieren gerade einen Airbus A310, der für einen aufwendigen Check nach Hamburg gekommen ist. Was dieses Flugzeug so außergewöhnlich macht: Es gehört zur grauen Flotte der Flugbereitschaft BMVg, einem militärischen Lufttransportverband der Luftwaffe.

Vier dieser fünf Flugzeuge starken Flotte können schnell umgerüstet und flexibel eingesetzt werden – als Passagier- und Frachtmaschinen, für die Betankung von Kampfflugzeugen in der Luft sowie als fliegendes Krankenhaus.

Mit der als MedEvac bezeichneten Krankentransportvariante lassen sich bis zu 44 Patienten pro Flugzeug liegend transportieren, sechs sogar intensivmedizinisch betreuen. Abhängig von Anzahl und Verletzungsmuster der zu transportierenden Patienten umfasst die medizinische Besatzung, die sogenannte Medical Crew, bis zu 25 Personen. Im MedEvac-Typ evakuiert die Luftwaffe Patienten aus Einsatzgebieten der Bundeswehr und anderen Krisenregionen.

Lufthansa Technik leistet für diesen Airbus A310 und acht weitere Luft-waffen-Flugzeuge technischen Support. Alle größeren Checks und Reparaturen, die spezielles Know-how erfordern, übernehmen wir. Kleinere Wartungen und Störbehebungen erledigt die Luftwaffe selbst an ihrem Standort Köln-Wahn.

Tödten und Schuller am Crash Net – es sichert die Ladung während des Fluges

Tödten und Schuller am Crash Net – es sichert die Ladung während des Fluges

© Jan Brandes
Die A310 bietet ohne Sitze viel Frachtraum

Ohne Sitze gibt's zusätzlichen Frachtraum im A310

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  Für den aktuellen IL-Check – eine alle sechs Jahre anfallende Überholung – war eigentlich eine Liegezeit von zwei Monaten geplant. Dann fielen unseren Kollegen die Bolzen an den Tragflächen auf: Bei rund 100 Bohrungen, in denen Bolzen versenkt waren, entdeckten sie Spuren von Korrosion – die Aluminiumlegierung reagierte also mit Sauerstoff, ähnlich wie Eisen, wenn es rostet.

Die Festigkeit der Flugzeugstruktur ist dadurch noch längst nicht beeinträchtigt. Dafür gibt es ja – unter anderem – die regelmäßigen Checks, um solche Materialschäden früh genug zu entdecken und zu beheben. In diesem Fall stellte es sich allerdings als ungewöhnlich aufwendig heraus.

Wir behandelten jede Bohrung individuell, vergrößerten sie minimal mit einem Spezialwerkzeug, einer sogenannten Reibahle. Dann folgt die nächste Inspektion: Konnten alle korrodierten Stellen entfernt werden? Falls ja: fein. Falls nein, muss die Bohrung weiter aufgerieben werden – bis keine Korrosion mehr übrig bleibt.

Da unsere Arbeiten auch die Festigkeit der Tragflächenstruktur beeinträchtigen konnten, mussten wir immer wieder Rücksprache mit Airbus halten. Bis wir Antwort erhielten, vergingen aber oftmals ein bis zwei Tage.

Für die vergrößerten Bohrungen mussten wir schließlich noch neue Bolzen beschaffen; manche mit spezielleren Maßen mussten extra aus Amerika, Asien und Südafrika eingeflogen werden. Letztlich dauerte der IL-Check deshalb nicht wie geplant zwei, sondern vier Monate.

Dort erreichte er, dass die letzten deutschen Soldaten aus sowjetischer Weltkriegs-Gefangenschaft freigelassen wurden. Heute unterhält die Luftwaffe längst eigene Flugzeuge für die Dienstreisen von Parlamentariern und Regierungsmitgliedern: je zwei A340 und A319 sowie vier Maschinen vom Typ Bombardier Global 5000. Gewartet werden sie aber weiterhin von Lufthansa Technik.


Die Flugbereitschaft BMVg

Illustration A310

Alleskönner

Die Flugbereitschaft des Bundes-ministeriums der Verteidigung ist ein Verband der Luftwaffe und führt Regierungs-, Truppen-, medizinische Hilfs- und Materialtransporte durch.

Alle Flieger

Der Fuhrpark besteht aus fünf Airbus A310-304, jeweils zwei Airbus A340-300 und A319CJ, vier Bombardier Global 5000 sowie drei Hubschraubern vom Typ Cougar AS-532.

Wie alles begann

Im Februar 1957 transportierte die Flugbereitschaft erstmals Politiker – mit einer De Havilland DH 114, und 1968 begann mit einer Boeing 707 das Jet-Zeitalter bei der Flugbereitschaft.