Lufthansa Flotte

Die Paletten-Profis

Die Flotte

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Tausende Container und Paletten an Airports weltweit logistisch zu managen ist zuweilen so kompliziert wie eine Flugzeug-Flotte zu dirigieren. Das Unternehmen Jettainer organisiert diesen Bereich für Lufthansa

Sortierarbeiten: Am Rande des Flugfeldes in Frankfurt werden Jettainer-Container für den nächsten Einsatz bereitgestellt

Sortierarbeiten: Am Rande des Flugfeldes in Frankfurt werden Jettainer-Container für den nächsten Einsatz bereitgestellt

© Jens Görlich

Supervisorin Uta Linnemann sitzt im Jettainer-Büro in Raunheim bei Frankfurt, vor ihr flimmern zwei Computerbildschirme. Lufthansa Cargo hat gerade 200 Container und 50 Paletten abgerufen, um einen Unterbestand an Lademitteln auszugleichen. Zudem müssen mehrere Container in eine Werkstatt nach Mörfelden verschickt und dort ausgebessert werden. Die Zeit ist wie immer knapp, auf dem Monitor leuchten bereits die nächsten Aufträge in der Warteschleife. Eine der letzten großen Urlaubsreisewellen des Jahres ebbt ab – eine besonders intensive Zeit, in der die Bestände an Lademitteln, also Containern und Paletten, weltweit wieder sortiert und verteilt werden.

Das Unternehmen Jettainer ist 2003 aus einer Abteilung von Lufthansa Cargo entstanden, um die Container-Versorgung eigenständig zu koordinieren und dabei mehr Effizienz zu erzielen. Ein Jahr später wurde die Arbeit von einer Handvoll Experten aufgenommen, inzwischen sind 52 Menschen bei Jettainer beschäftigt, die für insgesamt rund 65 000 Lademittel verantwortlich sind. Jeden Tag koordinieren die Mitarbeiter im Schnitt knapp über 220 000 ULD-Bewegungen weltweit. Zu den wichtigsten Knotenpunkten neben Frankfurt zählen dabei Abu Dhabi, Rom und Zürich.

Das Unternehmen Jettainer ist 2003 aus einer Abteilung von Lufthansa Cargo entstanden, um die Container-Versorgung eigenständig zu koordinieren und dabei mehr Effizienz zu erzielen

Das Unternehmen Jettainer ist 2003 aus einer Abteilung von Lufthansa Cargo entstanden, um die Container-Versorgung eigenständig zu koordinieren und dabei mehr Effizienz zu erzielen

© Jettainer
Der neue Lightweight-ULD besteht fast vollständig aus robustem Kunststoff und ist leicht zu handhaben, wie Martin Kraemer zeigt

Der neue Lightweight-ULD besteht fast vollständig aus robustem Kunststoff und ist leicht zu handhaben, wie Martin Kraemer zeigt

© Jens Görlich
Maßarbeit dank passender Form: Container und Palette im Laderaum eines Flugzeugs

Maßarbeit dank passender Form: Container und Palette im Laderaum eines Flugzeugs

© Jens Görlich
Das größte Lager von Jettainer befindet sich direkt am Vorfeld des Frankfurter Flughafens. Geschickt verschieben die Gabelstaplerfahrer die Lademittel und stellen sie für den Transport bereit

Das größte Lager von Jettainer befindet sich direkt am Vorfeld des Frankfurter Flughafens. Geschickt verschieben die Gabelstaplerfahrer die Lademittel und stellen sie für den Transport bereit

© Jens Görlich

 ULD ist die Abkürzung für Unit Load Device, so nennt man Lademittel im Luftverkehr. Diese sind in zwei Kategorien eingeteilt: auf der einen Seite die Paletten, auf der anderen die Container. Letztere kommen in verschiedenen Formen und Größen vor, sie werden den Flugzeugtypen entsprechend eingesetzt. Charakteristisch für alle sind ihre unterschiedlichen, meist abgeschnittenen Ecken, die es möglich machen, sie optimal in den rundlichen Flugzeugrumpf zu verladen. Auch Sondertypen wie zum Beispiel Pferdeställe gehören zum Programm.

„Wie eine Airline ihre Flugzeuge, so haben wir quasi unsere eigene Flotte, die gesteuert wird“, sagt Martin Kraemer, Marketingchef bei Jettainer, „dabei kommt es darauf an, sie möglichst lange in der Luft zu halten. Wenn zu viele ULD am Boden stehen, ist das wenig effizient.“

Das größte Lager der Firma befindet sich direkt am Vorfeld des Frankfurter Flughafens. Geschickt verschieben die Gabelstaplerfahrer die Lademittel und stellen sie für den Transport bereit. Lastwagen fahren vor, nehmen die leeren Container auf und bringen sie zum Terminal, wo sie wieder beladen werden. Jede einzelne ULD wird elektronisch registriert und vom Büro aus in den nächsten Einsatz geschickt. Erst im Frühjahr 2013 hat Jettainer diesen Bereich des Vorfelds bezogen. Hier wird nun auch ein Repair Shop integriert, was noch schnellere Reparaturzeiten und höhere Effizienz bedeutet.

Zeichen der Zeit: Die Paletten haben unzählige Flüge und Verladungen hinter sich. Rund zehn Jahre sind die Lademittel im Einsatz, ehe sie ausgetauscht werden

Zeichen der Zeit: Die Paletten haben unzählige Flüge und Verladungen hinter sich. Rund zehn Jahre sind die Lademittel im Einsatz, ehe sie ausgetauscht werden

© Jettainer
Alles wird registriert: Ein Mitarbeiter scannt einen Jettainer-Container in Frankfurt

Alles wird registriert: Ein Mitarbeiter scannt einen Jettainer-Container in Frankfurt

© Jens Görlich

 Außer für Lufthansa organisiert Jettainer auch für zwölf weitere Fluggesellschaften das Lademittel-Management, Tendenz steigend. Dank eines ausgedehnten Netzwerks und einer im Haus entwickelten Software, die den Kundenwünschen präzise angepasst werden kann, wurde die Effizienz bereits deutlich gesteigert. „Wenn eine Fluggesellschaft früher beispielsweise 100 ULD für bestimmte Abläufe benötigte, kommen wir im Schnitt mit 80 aus“, sagt Kraemer. „Wir erreichen das durch optimierte Abläufe. Ein weiterer Vorteil: Die Fluggesellschaften müssen sich nicht mehr um die Wartung der Container kümmern.“ Die Kosten dafür werden durch die Leasing-Gebühren abgedeckt, die von den Airlines für die Lademittel gezahlt werden.

Doch nicht jede Fluggesellschaft will das Geschäft mit der Container-Bereitstellung abgeben. Gewichtsreduzierung ist in Zeiten steigender Kerosinpreise ein enorm wichtiges Argument; also versucht Jettainer, potenzielle Kandidaten mit Angeboten wie ihrem Lightweight-Container zu überzeugen. Das Fliegengewicht, aktuelles Glanzstück in der Container-Welt, besteht zu fast 100 Prozent aus Kunststoff, nur noch die Bodenplatte sowie einige Streben und Bolzen sind aus Leichtmetall. Dennoch sind die Wände dank einer wabenartigen Struktur extrem belastbar und robust. Wiegt ein Alu-Behälter im Leerzustand 82 Kilo, bringt der neue bei gleicher Größe nur noch 64 bis 72 Kilo auf die Waage. Viele Kunden wollen die herkömmlichen Container nun nach und nach austauschen. Rund zehn Jahre ist die Lebenserwartung eines Alu-Containers, die neuen ULD sollen länger halten. „Zum Glück sind die leichten Container schnell und einfach zusammengebaut“, sagt Martin Kraemer und lacht, „nicht mal eine Stunde dauert das, also weniger Zeit als für ein Ikea-Regal!“

Text: Andreas Lampert