Lufthansa Flotte

Ein unsichtbarer Helfer

Die Flotte

Cord Becker, der in seiner Zeit als Lufthansa Pilot rund 20000 Flugstunden Erfahrung gesammelt hat und nun als Ausbildungskapitän arbeitet, schreibt über Cockpit und Alltag. Dieses Mal: Der Autopilot

F rüher schauten manche Fluggäste an Bord gern mal ins Cockpit. Heute ist dies aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt. Fast immer wurde dann die Frage gestellt: „Aha, jetzt fliegt also der Autopilot?“ Wenn der dann ausgeschaltet wurde, gab es ängstliche Gesichter bei den Besuchern: Trauten sie der Automatik mehr zu als den Piloten? Zur Erklärung: Kein Start kann auf Linienmaschinen mit Autopilot durchgeführt werden, 99 Prozent aller Landungen werden von den Pilotinnen und Piloten manuell geflogen – damit sie ständig fit bleiben für den Fall der Fälle.

Cord Becker Autopilot Helfer

Markiert: Mehrere Bedienelemente sind nötig, um den Autopiloten zu programmieren. Wichtig: der rote Knopf an den Sidesticks von Kapitän und Copilot, um den Autopiloten im Bruchteil einer Sekunde ausschalten zu können

 Denn in schwierigen Situationen, beispielsweise bei extremen Windgeschwindigkeiten, darf der Autopilot entweder nicht mehr oder er kann bei technischen Ausfällen nicht mehr benutzt werden. Und genau dann ist der Pilot am Steuerknüppel der Einzige, der die Maschine sicher aufden Boden bringt.

Trotzdem bietet der Autopilot viele Vorteile. Er unterstützt die Piloten bei ihren Aufgaben der Flugzeugsteuerung. Wenn man also die richtigen und sinnvollen Befehle der Automatik überträgt, wird sicher und genau geflogen. So genau, wie es der Mensch nicht kann. Die Technik ist so zuverlässig, dass Pilot und Autopilot im Zusammenspiel ein hervorragendes System ergeben, das gemeinsam arbeiten kann. Manche Autofahrer sprechen in jüngster Zeit gern von „auf Sicht fahren“, was immer damit gemeint ist. Ich hoffe nur, dass immer auf Sicht gefahren wird und dass niemand jemals auf die Idee kommt, nach Instrumenten fahren zu wollen. Anders bei den Piloten. Je nach Wetterlage können sie sich entscheiden, nach Sicht oder nach Instrumenten zu fliegen. Und sehr selten muss man bei sehr geringer Sicht den Landeanflug und die Landung mit dem oder den Autopiloten durchführen.

Einige Maschinen ermöglichen den Parallelbetrieb von zwei oder drei Autopiloten, eine Voraussetzung für Anflüge bei extrem geringer Sicht. Der rote Knopf zum Ausschalten des Autopiloten sitzt direkt am Sidestick, weil es sehr wichtig ist, ihn im Bruchteil einer Sekunde deaktivieren zu können. Und nur in einigen Fliegerfilmen gibt es den Knopf „Zielflughafen-Landen“. In den Cockpits fehlt er, denn den Autopiloten zu „bedienen“ ist gelegentlich anspruchsvoller als eine ganz normale Landung von der Hand des Piloten. Wer übernimmt nun die Verantwortung für Ihre Sicherheit an Bord: der Mensch oder der Autopilot? Die Antwort wissen Sie sicher. Allzeit Happy Landings!