„Ich habe Angst vor Routine”

Will Smith

Interview

  • INTERVIEW FRANK SIERING

Er will nicht unbedingt in jedem Film die Welt retten, aber einer muss es ja tun. Im Interview spricht Will Smith über Heldentum, seinen Arbeitseifer und Familiensinn – und erklärt, warum er lieber kein Tattoo will.

Mr. Smith, Sie haben die Welt schon mehrfach vor dem Untergang gerettet, zumindest im Kino. Im neuen Fantasy-Actionfilm „Bright“ helfen Sie der Menschheit nun erneut aus der Krise. Sind Sie der geborene Held?

Eine wirklich gute Frage, auf die ich leider keine Antwort weiß (lacht). Diesmal ist es etwas Besonderes, weil ich auch noch Elfen beschützen muss! Aber im Ernst: Ich mag den Gedanken, dass einige Menschen als Helden geboren werden.

Braucht unsere Welt denn immer neue Superhelden?

Ich glaube schon. Zugegeben, es gibt mittlerweile eine ziemlich große Truppe an vertrauten und einsatzfähigen Superhelden. Aber es kann nicht schaden, ab und zu mal wieder neue Helden mit einem Twist, einem interessanten Spleen kennenzulernen.

Brauchen Sie diese Abwechslung, um neugierig zu bleiben?

Absolut. Ich möchte mich niemals langweilen, ich habe Angst vor Routine, ich brauche neue Herausforderungen. Das ist ungeheuer wichtig, das hält mich in Schwung.

Sie sind in Hollywood als echte Frohnatur bekannt, immer gut gelaunt, niemals ein böses Wort. Ist das alles echt?

Ja, ehrlich! Jeder Mensch hat morgens, wenn er aufwacht, die Wahl. Entweder geht er den Tag positiv und konstruktiv an, oder er widmet sich seiner schlechten Laune. Ich wähle immer die erste Option – und bislang bin ich damit ganz gut gefahren.

Lehrjahre eines Stars: Will Smith als "Prinz von Bel-Air" (1990)

Lehrjahre eines Stars: Will Smith als "Prinz von Bel-Air" (1990)

© United Archives/IFTN/SZ Photo

Ihre „street credibility“ scheint Ihnen dagegen nicht besonders wichtig zu sein. Stimmt es, dass Ihre Kollegin Margot Robbie während des „Suicide Squad“-Drehs vergeblich versucht hat, Sie zu einem Tattoo zu überreden?

Das stimmt tatsächlich! Sie hatte eine Tattoo-Pistole im Wohnwagen am Set, sie nannte ihn „Robbie’s Tattoo-Salon“. Aber wissen Sie, ich habe bisher noch kein Tattoo, und ich bin jetzt in meinen Vierzigern. Es fühlt sich in dem Alter einfach nicht mehr richtig an. Und außerdem müsste ich zuerst meine Frau fragen, ob sie einverstanden ist …

Wie gehen Sie an eine Rolle heran? Sind Sie ein Anhänger des Method Acting, bei dem sich der Schauspieler tief in die fremde Persönlichkeit versenkt?

Das habe ich einmal versucht, aber das ging total nach hinten los! Die Arbeit am Film „Das Leben – ein Sechserpack“ war zu Ende, und ich konnte mich nicht mehr von der Rolle lösen. Meine Figur war in Stockard Channing verliebt – und ich war auch nach Drehschluss immer noch in sie verknallt. Es hat mir buchstäblich das Herz gebrochen. Ich habe das nie wieder gemacht.

Und wie bereiten Sie sich seitdem vor?

Ich lebe mich eine gute Woche vor Drehbeginn langsam in die Figur ein, immer mehr, Tag und Nacht, das mache ich auch zu Hause. Meine Familie versteht zum Glück, was ich da mache, und erklärt mich nicht für verrückt.

Ihre gesamte Familie arbeitet heute im Entertainment-Business. War das so gewollt?

Meine Frau und ich haben niemanden gedrängt. Aber es war natürlich die ganze Zeit präsent: Filme, Fernsehen, Drehbücher, Musik. Da war es schwer, sich dem zu entziehen – und wiederum leicht für die Kinder, in dieses Geschäft hineinzuwachsen.

Ich verstehe nicht, warum man etwas Gemeines macht, wenn man etwas Gutes tun kann

Will Smith, Schauspieler

Sie spielen fast immer den netten Kerl, zuletzt haben Sie sich aber auch mal an ein paar Fieslinge herangetraut. War das sehr ungewohnt?

Es war nicht ganz leicht am Anfang, es entspricht nicht meinem Naturell. Ich verstehe nicht, warum man etwas Gemeines macht, wenn man etwas Gutes tun kann. Aber als Schauspieler will ich auch Rollen ausprobieren, die Neuland für mich sind, die mich in einem etwas dunkleren Licht zeigen.

Ein Mann und seine Mittel: Will Smith in "Bright"

Ein Mann und seine Mittel: Will Smith in "Bright"

© Netflix

Verändert Ruhm zwangsläufig die Persönlichkeit?

Das hängt stark vom jeweiligen Menschen ab, von seinem Wesen. Ruhm ist wie ein Ausflug in dünne Höhenluft. Wenn du einen Berg besteigst, wird die Luft immer dünner. Einige gewöhnen sich an den Sauerstoffmangel und klettern langsam weiter. Andere können damit nicht umgehen, können nicht mehr atmen und benehmen sich bald äußerst merkwürdig.

Wie haben Sie sich auf dem Gipfel benommen?

Auch ich musste mich akklimatisieren. Aber der Ruhm kam schrittweise zu mir. Das langsamere Tempo half mir, die „Atmung“ gut hinzukriegen und normal zu bleiben. Die Kids von heute haben diese Zeit nicht mehr. Es geht alles rasant, oft zu schnell. Die sozialen Medien machen sie im Nu berühmt. Dann leiden sie oft unter „Höhenkrankheit“, wie ich es nenne.

Spüren Sie, dass berühmt zu sein Druck auf Sie ausübt?

Oh ja, starken Druck sogar. Ruhm bringt die Familie durcheinander, alle Beziehungen, das ganze Leben. Man steht unter ständiger Beobachtung. Das ist schwierig. Man muss lernen, es zu genießen, sonst bricht man zusammen. Und man darf nie, wirklich nie vergessen, dass Ruhm und Geld zwei ganz unterschiedliche Dinge sind. Viele Menschen haben Geld, sind aber nicht berühmt. Das Schlimmste ist wahrscheinlich, berühmt und arm zu sein – echter Horror!

Wie gehen Sie mit Niederlagen um?

Ich habe Glück, weil ich Niederlagen und auch Trauer in meiner Arbeit bewältigen kann. Vor einiger Zeit habe ich meinen Vater verloren. Zur gleichen Zeit drehte ich einen Film, der mir half, mit meiner Trauer klarzukommen. Und gleichzeitig musste ich nicht wirklich spielen, mich nicht verstellen. Ich war traurig und dachte viel über den Tod nach in dieser Zeit.

Haben Sie Angst vor dem Alter?

Nein, habe ich nicht. Ich stand 30 Jahre lang im Mittelpunkt, jetzt sind auch mal andere dran. Das ist total okay. Es ist schön, wenn man einen Punkt im Leben erreicht hat, an dem man eine gewisse Zufriedenheit mit dem Geleisteten empfindet. An diesem Punkt bin ich jetzt angekommen.