Herr Becker, was machen Piloten gegen Jetlag?

Leiden auch Piloten unter Jetlag, und wie gehen sie damit um?

Ich bin sicher einige hundert Male um den Erdball gejettet, aber ein Geheimrezept gegen den Jetlag habe ich nicht gefunden. Es gibt im Cockpit eine Napping Policy – nichts anderes, als wenn Sie auf dem Autobahn-Rastplatz anhalten, um ein paar Minuten auszuruhen. Dramatisch wäre es, wenn beiden Piloten die Augen zufallen. Um das zu verhindern, treffen beide Absprachen und entspannen sich auf ihrem Pilotensitz für 20 bis 30 Minuten zu ge­trennten Zeiten und in relativ ruhigen Flugphasen. Gefahr für die Crew durch Müdigkeit hieße Gefahr für alle an Bord – und deshalb sind diese abwechselnden Ruhe­phasen wichtig und sinnvoll.

Haben Sie einen Tipp für Passagiere, wie man den Jetlag abmildern kann?

Versuchen Sie, am örtlichen Abend zu landen – Präsidenten machen es bei Staatsbesuchen nicht anders. Stellen Sie sich und Ihre Uhr auf die neue Zeit des Ankunftsorts um und versuchen Sie, so lange wie möglich wach zu bleiben; kämpfen Sie gegen die Müdigkeit an. Dennoch werden Sie mitten in der Nacht irgendwann hellwach sein. Dann ist es gut, eine Kleinigkeit zu essen; lesen oder arbeiten Sie. Die Nacht ist aber leider erst mal vorbei.

Berücksichtigt Lufthansa bei der Einsatzplanung den Faktor Jetlag?

Damit der Jetlag keine Auswirkungen auf die Sicherheit hat, gibt es ein kompliziertes Regelwerk der Crewplanung – nicht nur für Piloten, die gesamte Crew leidet ja unter Jetlag. Vereinfacht gesagt: Je mehr Zeitzonen wir durchfliegen, desto längere Ruhezeiten sind nach dem Einsatz erforderlich.