„Fremde Welten ziehen mich magisch an“

Sigourney Weaver

Interview

  • INTERVIEW FRANK SIERING

Sie glänzte in „Alien“ als erster weiblicher Actionstar, weitere Hollywood-Hits folgten. Die 65-Jährige spricht über die visionäre Kraft von Science-Fiction, das Los großer Frauen im Filmbusiness und die kleinen Abenteuer des Alltags

Ms. Weaver, wie wichtig war es für Ihre Karriere, 1979 die Rolle von Officer Ellen Ripley in „Alien“ gespielt zu haben?

Ganz klar: Ohne Ripley wäre mein Leben anders verlaufen. Zumal ich damals ein echter Snob war und keine richtige Lust auf Kino hatte. Ich wollte viel lieber Theater spielen.

Aber dann hat Regisseur Ridley Scott Sie davon überzeugt, dass der Weg zum Weltruhm über Außerirdische führen kann?

Ach, mit der Berühmtheit ist es so eine Sache. Auf der einen Seite bin ich natürlich dankbar, dass man mich kennt. Das Geld, das ich durch Filme verdient habe, hat mir und meiner Familie ein schönes Leben ermöglicht. Auf der anderen Seite bin ich ein Mensch, der ganz gut ohne dieses Glamour-Label über die Runden kommt.

Sie sind nicht gern prominent?

Ich habe kein so überbordendes Ego, ich war und bin mehr ein Teamplayer. Und seien wir ehrlich: Ich hatte einfach viel Glück. Als ich anfing in diesem Job, wollte kaum jemand etwas mit einer Frau zu tun haben, die über 1,80 Meter groß ist …

Weil viele Kollegen kleiner sind?

Ja, die Agenten hatten keine Lust, den Schauspielern klarzumachen, dass sie die meisten Drehtage auf einer Apfelkiste stehen müssen, damit sie mir in die Augen sehen können. Da sind dann viele Regisseure lieber auf Nummer sicher gegangen und haben eine kleinere Kollegin als Co-Star genommen. Hollywood mag auch keine Frauen über 40, heißt es oft.

Ich bin nicht mehr das junge Ding, das gegen Monster kämpft

Wie fühlt man sich als Ausnahme von dieser Regel?

Gut, ich spiele eben nicht mehr das junge Ding, das gegen Monster kämpft. Aber ich kann mich wirklich nicht über zu wenig Arbeit beschweren. Natürlich hoffe ich, dass es etwas mit meinem Talent und meiner Disziplin zu tun hat, aber ich bin sicher auch eine Darstellerin, die gut zu bestimmten Rollen passt. Meist sind das starke Frauen, die sich durchsetzen können.

Sie haben an den Elite-Universitäten von Stanford und Yale studiert, nicht nur Theaterwissenschaften, sondern auch Englisch. Hat Ihnen das als Schauspielerin jemals genützt?

Das ist eine Fangfrage, oder? Schauspieler müssen nicht dumm sein! Natürlich braucht man keinen Yale-Abschluss, um vor der Kamera zu stehen. Aber ich bin auch nie einem Trend nachgejagt, um das schnelle Geld zu verdienen. Ich weiß, das sagen fast alle, aber ich habe nur bei Projekten mitgemacht, hinter denen ich voll und ganz stand. Und die meisten dieser Entscheidungen finde ich auch heute noch richtig.

In vielen Ihrer Filme spielt das Thema künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle: „Aliens“, „Wall-E“ und „Avatar“, zuletzt „Chappie“. Auch darin geht es um einen neuen Typ Roboter, der lernt, eigenständig zu denken. Woher kommt die Affinität zu diesem Thema?

Vielleicht ziehen mich fremde Welten magisch an. Aber meine Motivation ist vor allem pragmatisch. Was bringt es, der Star in einem Film zu sein, den keiner sehen will? Ich wollte immer in ­Filmen mitspielen, die sich die Leute anschauen wollen – wenn nötig, auch in einer kleinen Rolle.

„Hollywood mag auch keine Frauen über 40, heißt es oft“

„Hollywood mag auch keine Frauen über 40, heißt es oft“

© Ian Derry/Bafta/CameraPress/Picture Press
Sigourney Weaver als erster weiblicher Actionstar in „Alien“ (1979)

Sigourney Weaver als erster weiblicher Actionstar in „Alien“ (1979)

© action press
Als Chefin an der Wall Street mit Harrison Ford und Melanie Griffith in „Die Waffen der Frauen“ (1988)

Als Chefin an der Wall Street mit Harrison Ford und Melanie Griffith in „Die Waffen der Frauen“ (1988)

© action press
CEO eines Waffenherstellers - Sigourney Weaver im aktuellen Sci-Fi-Film „Chappie“

CEO eines Waffenherstellers - Sigourney Weaver im aktuellen Sci-Fi-Film „Chappie“

© Sony Pictures Releasing GmbH

Sie haben als eine der ersten Schauspielerinnen Hollywoods bewiesen, dass nicht nur Männer auf der Leinwand knallhart sein können – sind Sie stolz auf diese Pioniertat?

Klar, schließlich hätte vorher niemand gedacht, dass ausge­rechnet eine Frau die Invasion der Aliens überlebt. Allerdings muss ich die Feministinnen unter den Fans enttäuschen: Das war ja kein politisches Statement der Produzenten, sondern einfach nur ein guter Dreh für die Geschichte.

Wie nah an der Realität sind „Alien“ und „Chappie“?

Es ist schon erstaunlich, dass Science-Fiction relevanter ist als je zuvor – weil wir von manchen Visionen gar nicht mehr so weit entfernt scheinen. Wenn ich mir heute „Alien“ anschaue, sehe ich Dinge, die bald schon Realität werden könnten. Und im Falle von „Chappie“ ist es ähnlich. Gerade im Bereich der Robotertech­nologie hat die Wissenschaft zuletzt riesige Fortschritte gemacht.

Glauben Sie an fremdes Leben im All?

Eine der ewigen großen Fragen der Menschheit (lacht)! Ellen Rip­ley glaubt bestimmt daran. Ich gehöre nicht zu den arroganten Menschen, die behaupten, wir seien die Einzigen in unserem Universum. Ich glaube schon, dass es andere Lebensformen gibt, die wir noch nicht kennen.
Wie reist Sigourney Weaver, wenn sie nicht im Weltall kämpft?
Sehr bequem und völlig entspannt (lacht). Ich kann mich beim Fliegen total zurücklehnen und alles um mich herum genießen. Wenn ich in der First oder der Business Class fliege, dann ist das wie ein Besuch im Spa – weil ich mich ausstrecken kann.

Planen Sie Ihr Leben oder sind Sie eher spontan?

Ich liebe es, jeden Morgen aufzustehen und nicht genau zu wissen, was heute passiert. Ich bin ein Mensch, der gern ins kalte Wasser springt. Immer dieselbe Routine, das ist nichts für mich.

Sie arbeiten seit 40 Jahren im Showbusiness. Gab es auch Momente, in denen Sie alles hinschmeißen wollten?

Ehrlich, so bin ich da nie rangegangen. Ich sehe mich als eine Frau, die sich auf einer Reise befindet. Einige Etappen davon sind interessanter als andere. Das Leben kann nicht immer nur ein Abenteuer nach dem nächsten sein. Es gibt immer mal wieder Phasen, in denen man einfach durchhalten muss.

Man munkelt, Sie kehren noch einmal zu „Avatar“ zurück – stimmt das?

Ja, ich werde im nächsten Teil wieder mitspielen. Aber der Regisseur James Cameron hat mir unter Androhung von Gewalt verboten, auch nur ein Wort über meine Rolle zu verraten (lacht)!