Salt & Silver Chacala San Pancho
© Salt & Silver

Gleitzeit in der magischen Bucht

  • TEXT JOHANNES RIFFELMACHER, THOMAS KOSIKOWSKI
  • ILLUSTRATION JANA FEDEROV

Jetzt aber ab ans Meer. San Pancho wartet, unsere kleine paradiesische Zeitkapsel. Wir kehren nach zwei Jahren hierher zurück – und alles ist, wie es immer war. Die Sonne brennt, die Palmen werfen mit Kokosnüssen, die Menschen sind glücklich. Was wir als erstes machen, ist sowieso klar: unsere Jungs einsammeln. Es hagelt Umarmungen und High-Fives, neue Tattoos werden verglichen und die Ereignisse seit unserem letzten Besuch besprochen. Es ist ein bisschen wie Heimkommen.

Zur Feier des Tages schließt unser best friend Luigi seinen Surfshop „Santa Madre“ ab und geht mit uns surfen. Alles andere ergäbe auch keinen Sinn … Also Bretter aufs Dach seines klapprigen Kombis und ab nach Burros, unserem Lieblingssurfspot in der Gegend. Die Bedingungen sind bestens, entspannte zwei Meter und kein Wind … Während wir auf die nächste Welle warten, poppt hin und wieder ein Schildkrötenkopf aus dem kristallklaren Wasser und glubscht uns neugierig an. Luigi erzählt uns von einem Spot, der noch besser sein soll, Leo DiCaprio, sagt er, könne dagegen einpacken mit seinem Strand in „The Beach“. So eine Behauptung können wir natürlich nicht ungeprüft lassen.

Am nächsten Tag klingelt der Wecker um fünf Uhr. Draußen herrscht noch tiefste Nacht. Wir kämpfen uns aus der warmen Umarmung unserer Laken und packen wortlos unser Stuff zusammen. Wer uns kennt, weiß, dass man in der Frühe gefälligst den Rand zu halten hat. Bretter aufs Dach, Kameras in den Rucksack, Sonnencreme, Wasser, Proviant. Am Treffpunkt Tankstelle warten wir auf unsere mexikanischen Surfbuddies. Wir zapfen uns einen Kaffee aus dem Cappuccino-Vollautomaten. Genausogut hätten wir den Benzinkolben in den Becher halten können, so eklig schmeckt das Zeug. Was soll’s. Schnell runter damit. Die anderen sind inzwischen auch eingetroffen.

Die Straße schlängelt sich durch den dichten Regenwald Nayarits, während langsam die ersten Farbnuancen über den Dschungelbergen den Sonnenaufgang ankündigen. Nebelschwaden hängen in den Bananenplantagen, noch rührt sich nichts in den Dörfern am Straßenrand. Als die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg über die Bergkämme finden und sich im Nebel über den Palmen brechen, verzieht sich sogar unsere Morgenmuffellaune.

Nach einer guten Stunde Autofahrt erreichen wir das kleine Fischerpier von Chacala. Es liegen einige alte Kähne dort, die Fischer treffen gerade ihre Vorkehrungen. Wir steigen aus dem Auto und räkeln uns in den ersten warmen Strahlen.

Mit Nussschalen ins Paradies: Wo auf dieser Welt hat man so einen Ort ganz für sich?

Mit Nussschalen ins Paradies: Wo auf dieser Welt hat man so einen Ort ganz für sich?

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Die Leashes ans Bein, Bretter gewachst, weiße Sonnencreme-Kriegsbemalung ins Gesicht – und rein ins smaragdgrüne Lineup!

Die Leashes ans Bein, Bretter gewachst, weiße Sonnencreme-Kriegsbemalung ins Gesicht – und rein ins smaragdgrüne Lineup!

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Die Wellen brechen perfekt geordnet an der Spitze der Landzunge und rollen in steilen Wasserwänden Richtung Strand

Die Wellen brechen perfekt geordnet an der Spitze der Landzunge und rollen in steilen Wasserwänden Richtung Strand

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Der Regenwald reicht direkt bis ans Meer, unter den Kokospalmen am Strand liegen reife Kokosnüsse und warten nur darauf, dass wir sie einsammeln

Der Blick von unserer Drohne aus: Bis ans Meer reicht der Regenwald

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Nach einer Weile respektvollen Herantastens haben wir die Welle kapiert und machen unser Ding

Nach einer Weile respektvollen Herantastens haben wir die Welle kapiert und machen unser Ding

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Salt & Silver Chacala San Pancho

Erschöpft und glücklich in den Hängematten unter den Palmen: unsere mexikanischen Surfbuddies

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  Für einen Fünfer pro Kopf sind die einheimischen Kapitäne bereit, uns mit ihren Nussschalen zu der kleinen Bucht zu bringen, von der unsere Freunde sagen, sie sei schlichtweg magisch. Für noch einen Fünfer mehr versprechen sie, uns am nächsten Morgen auch wieder abzuholen. Nicht die schlechteste Investition. Leinen los, wir legen ab und verlassen den nebligen Hafen.

Als wir nach einer halben Stunde ruhiger Bootsfahrt um die letzte Klippe vor unserem Ziel biegen, sehen wir, was das ganze Heckmeck soll: Da liegt das Paradies. Die Wellen brechen perfekt geordnet an der Spitze der Landzunge und rollen in steilen Wasserwänden Richtung Strand. Der vom Wind über die Wellenkämme geblasene Sprühnebel wirft Mini-Regenbogen in allen Farben.

Unser Fischer manövriert gekonnt durch den schmalen Streifen ruhigen Wassers zwischen Felsen und Welle. Wir springen vom Boot ins knietiefe Wasser und tragen unsere Bretter und Hängematten an den Strand. Der Regenwald reicht direkt bis ans Meer, unter den Kokospalmen am Strand liegen reife Kokosnüsse und warten nur darauf, dass wir sie einsammeln. Andere Surfer haben aus Palmwedeln und Pfählen einen kleinen Sonnenschutz gebaut, in dem wir unsere Hängematten aufhängen. Endlich angekommen, wo wir hingehören! Wo auf dieser Welt hat man so einen Ort ganz für sich? Doch Zeit zum Relaxen ist später noch, erst mal müssen wir rein ins smaragdgrüne Lineup! Die Leashes ans Bein, Bretter gewachst, weiße Sonnencreme-Kriegsbemalung ins Gesicht – und rauspaddeln.

Die Bucht funktioniert wie eine reine Wellenmaschine: eine nach der anderen kracht auf die rund gewaschenen schwarzen Felsen. Man muss höllisch aufpassen, die Wasserwände haben an diesem Morgen Dimensionen, bei denen jeder Fehler ziemlich unangenehm werden kann. Nach einer Weile respektvollen Herantastens haben wir die Welle kapiert und machen unser Ding. Jeder bekommt seinen fairen Anteil an Gleitzeit, bester Surf, den man sich wünschen kann! Stunden später liegen wir alle erschöpft und glücklich in den Hängematten unter den Palmen und schlürfen Kokosnüsse. Leonardo who?

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