Das schönste Gefängnis der Welt

Noch in den 1990ern war die Ilha Grande eine Strafkolonie für Schwerverbrecher. Heute können sich Touristen bedenkenlos auf die Insel wagen. Es sei denn, sie fürchten sich vor feinstem Sand, türkisblauem Meer und einer atemberaubenden Landschaft

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Impressionen von der Ilha Grande

  Das Paradies ist nur eine Bootsfahrt entfernt. Die Fähren und Schnellboote vom Festland legen in dem Hafenstädtchen Vila do Abraão an. In der Bucht, geschützt von zwei winzigen Inseln, ankern Fischkutter, Ausflugsschoner, kleinere Jachten. Hinter den mit roten Dachziegeln bedeckten Häusern erheben sich die Berge wie die Ränge eines Amphitheaters. Vila do Abraão ist der größte Ort der Ilha Grande, hier gibt es die meisten Pensionen und an Wochenenden steigt irgendwo immer eine Party. Doch nicht deswegen kommt man auf die Insel, sondern wegen ihrer Naturschönheiten, der unberührten Vegetation, weisen Puderzuckerstränden und dem türkisblauen Meer. Mit 155 Kilometern Küstenlinie und 116 großen und kleinen Stränden ist Ilha Grande eine der schönsten Inseln vor der brasilianischen Küste. Dutzende von Buchten schneiden sich tief ins Land hinein, gleich hinter den Stränden ragen die Berge in den Himmel, der höchste, Pico da Pedra d’Agua, ist 1035 Meter hoch. Die Hänge sind von dem Tropenwald Mata Atlantica bewachsen, eines der artenreichsten Ökosysteme der Welt. Über schmale Wanderpfade lässt sich der „atlantische Regenwald“ bestens erkunden.

Die Insel steht unter Naturschutz, keine Autos stören die Ruhe, man geht entweder zu Fuß, fährt mit dem Mountainbike oder dem Wassertaxi. Früher war die Insel von Indianer bewohnt, dann diente sie Piraten als Unterschlupf, die auf die mit Gold beladene portugiesische Karavellen abgesehen haben. Um 1886 wurde an dem Schwarzen Strand, Praia Preta, ein Lazarett eingerichtet, in dem ankommende Immigranten oft unter Quarantäne gesetzt wurden. Später, von 1903 bis 1994, befand sich eine Strafkolonie für Schwerverbrecher auf der Insel, deswegen wurde sie von Touristen weitgehend gemieden. Die Ruinen des Gefängnisses sind in Dois Rios zu besichtigen, gleich am Rande eines schönen Strandes.

Auch unter Wasser gibt es auf der Ilha Grande viel zu entdecken. Mit etwas Glück sogar eine Schildkröte

Auch unter Wasser gibt es auf der Ilha Grande viel zu entdecken. Mit etwas Glück sogar eine Schildkröte

© Mauritius Images

  Vila do Abraão ist der perfekte Ausgangspunkt, um die Insel zu erkunden. Hier kann man Mountainbikes mieten, um zu den benachbarten Stränden zu radeln. Nur wenige Kilometer entfernt liegt die Bucht der Sterne, Enseada das Estrelas, manche Villen am Ufer gehören bekannten brasilianischen Filmstars. Ein acht Kilometer langer Wanderweg führt zum langen weißen Strand Lopes Mendes, der vor allem bei Surfern beliebt ist.[nbsp] Der Marsch ist anstrengend, es geht immer wieder rauf und runter. In drei Stunden kann man auch den 985 Meter hohen Pico Papagaio erklimmen, den zweithöchsten Berg der Insel. Sein Felsengipfel erinnert an einen Papageienschnabel.

Wer weniger Freude an sportlicher Ertüchtigung hat, kann sich bequem mit dem Wassertaxi von Strand zu Strand fahren lassen. Oder unternimmt eine Schonerfahrt – eine besonders schöne Art, die einsamen Buchten der Insel kennenzulernen. Jeden Morgen fahren die alten Segler mit Touristen um die Insel, der Kapitän steuert das Boot direkt am Ufer entlang, vorbei an der geschützten Bucht Saco Ceu und dem charmanten kleinen Strand Freguesia de Santana. Der Schoner ankert in der Lagoa Azul, der Blauen Lagune, in deren kristallklarem Wasser tausende bunte Fische und Riesenschildkröten schwimmen. Die Touristen springen hinein, schnorcheln zwischen den Seesternen und Korallen oder sonnen sich am Ufer. Es lohnt sich,[nbsp] auch die Grüne Lagune, Lagoa Verde, zu besuchen, die sich in der Nähe des breiten Strandes von Aracatiba befindet. Nicht nur Naturliebhaber kommen bei einem Bootsausflug auf ihre Kosten: Am Bord des Schoners herrscht fröhliche Stimmung, man trinkt Bier und Caipirinha, tanzt und lernt Leute kennen.