Grillen mit Ausblick

Die Bar do Tino in Rio de Janeiro weiß zwei brasilianische Tugenden perfekt miteinander zu verbinden: Grillen und Gastlichkeit. Wer hier isst wird wiederkommen

 Unsere Nasen entdecken die Bar do Tino, lange bevor wir sie sehen können. Durch die verwinkelten Gassen der Favela Morro dos Prazeres strömt das Aroma von Feuer und Fleisch. Meter für Meter werden der Duft intensiver und unsere Beine schwerer. Wer in Rio de Janeiros bestem Favela-Restaurant speisen möchte, muss es sich verdienen – mit einem schweißtreibenden Aufstieg, der alle anschließenden Kalorien entschuldigt.

Seit der Panoramablick von Tino Santanas Terrasse das Cover des Stadtmagazins Veja Rio schmückte, ist der Familienbetrieb nicht mehr nur bei den Favelados angesagt. Eine Fachjury hatte das Restaurant im vergangenen Jahr sowohl in der Kategorie „Beste Aussicht“ als auch „Bestes Essen“ mit dem kulinarischen Preis Comer & Beber da Paz prämiert. Vor allem das Grillhähnchen hatte es den Experten angetan. Für den besonderen Geschmack legt Restaurantchef Tino Santana die Hähnchen in einer geheimen Marinade ein, für das Grillen ist Sohn Leoandro zuständig.

Unter den kritischen Augen seines Vaters lässt Leoandro das Fleisch mit viel Rauch bei geschlossenem Deckel garen. In der Küche, kaum größer als die einer Single-Wohnung, bereiten Mutter Eleni und Bruder Santana die Beilagen vor. Typisch brasilianisch wird das Grillfleisch mit Bohnen, Reis und Maniok serviert. Ob es nun an der Aussicht oder an der Kochkünsten der Familie Santana lag: So lecker haben wir in Brasilien nie wieder gegessen.