Neuer Schub für eine starke Familie

Airbus A320-200

Längst gehören die Airbus A320er zu den erfolgreichsten Flugzeugfamilien der Welt. Seit 2015/2016 werden nun ihre frisch entwickelten neo-Modelle ausgeliefert. Sie setzen zu großen Teilen auf eine bewährte Bauart, sparen aber durch neue Triebwerke und Flügelformen kräftig Kerosin.

Schon dank ihrer neuen Triebwerke verbrauchen die neo-Flugzeuge bis zu 15 Prozent weniger Treibstoff. Mit dem Namen der kommenden A320er-Generation spielt Airbus daher folgerichtig nicht nur auf die zukunftsweisende Technik seiner Maschinen an: Als Kürzel steht neo auch für „new engine option“, also „neue Triebwerksoption“. Gleich zwei verschiedene Triebwerkstypen stellt Airbus zur Auswahl – in den von Lufthansa bestellten Maschinen kommen Flugzeugmotoren vom Typ PW1000G zum Einsatz.

Gebaut werden diese wahren Kraftprotze unter Federführung des US-Unternehmens Pratt & Whitney, maßgeblich beteiligt ist aber auch der Münchener Triebwerkhersteller MTU Aero Engines. Ein entscheidender Vorteil der neuen Triebwerke: In ihrem Inneren sind zwei bisher miteinander verbundene Elemente voneinander entkoppelt. Der sogenannte Niederdruckverdichter dreht sich jetzt etwa dreimal so schnell wie der weiter vorne am Triebwerk sitzende Gebläseschaufelkranz. Bisher drehten sich beide Bauteile auf einer gemeinsamen Welle, also auch mit gleicher Geschwindigkeit – in beiden Fällen nicht im optimalen Bereich.

Dank der Entkoppelung lässt sich die Effizienz des neuen Triebwerks nun wesentlich erhöhen. Und neben den Kerosinkosten werden dabei auch die Emissionen reduziert. So spart ein Airbus A320neo pro Jahr etwa 3600 Tonnen Kohlendioxid ein. Auch der Ausstoß an Stickoxiden sinkt im zweistelligen Prozentbereich. Gleichzeitig arbeiten die PW1000G-Flugzeugmotoren deutlich leiser, nur die Hälfte des bei herkömmlichen Triebwerken üblichen Schalls erreicht künftig den Boden.

A320 Neo: Neuer Schub
© Airbus S.A.S.

 Doch damit nicht genug, bietet die neo-Familie noch weitere Verbesserungen. Etwa einen Zugewinn an Reichweite, der sich bei der A320neo auf bis zu 950 Kilometer beläuft. Trotzdem sind die Flugzeuge der neo-Familie zu einem besonders hohen Grad baugleich mit ihren Vorgängermodellen – für Fluggesellschaften wie Lufthansa ein wichtiger Faktor, da zugekaufte Maschinen künftig einfach in bereits etablierte Wartungsabläufe integriert werden können. Zusatzaufwendungen im Bereich der Pilotenausbildung lassen sich so ebenfalls vermeiden.

Auch die A320 mit herkömmlichen Triebwerken stellt Airbus zunächst weiter her. Ihre Typenbezeichnung wird um den Zusatz ceo („current engine option“) ergänzt. Auf Wunsch wird sie mittlerweile mit sogenannten Sharklets ausgeliefert. Diese nach oben gebogenen Flugzeugflügelspitzen sind den Schwungfedern mancher Vögel nachempfunden. Sie optimieren die Aerodynamik der Flugzeuge, senken dadurch ebenfalls den Treibstoffverbrauch, bringen darüber hinaus zusätzliche Vorteile bei Reichweite, Nutzlast und eine Lärmreduktion.

An den neos werden die Sharklets dann serienmäßig verbaut. Ein weiterer guter Grund für Lufthansa, auf die neue Generation der bewährten A320 zu setzen. In der Kranichflotte spielt die A320 daher bald eine noch wichtigere Rolle: Unter anderem 30 Maschinen (25 vom Typ A320neo, fünf vom Typ A321neo) bestellte Lufthansa bereits 2011, eine Order über weitere 70 Maschinen (je 35 vom Typ A320neo und A321neo) wurde 2013 erteilt. Mit den neuen Modellen ersetzt die Airline nicht nur einfach ältere Flugzeuge gleichen Typs: Die ebenfalls auf Kurz- und Mittelstrecken zum Einsatz kommende Boeing 737-Flugzeugfamilie steht bei Lufthansa nun vor derAusflottung. Auch solche Strecken, die bisher von der 737 beflogen wurden, werden künftig teilweise von der A320 bedient.