Lufthansa Flotte

Im Minutentakt zum Take-off

Die Flotte

Cord Becker, der in seiner Zeit als Lufthansa Pilot rund 20000 Flugstunden Erfahrung 
gesammelt hat und nun als Ausbildungskapitän arbeitet, schreibt über Cockpit und Alltag. 
Dieses Mal: Wie Piloten einen Flug vorbereiten

Die Zeit bestimmt unser Fliegerleben. Weit vor dem Start muss alles genau geplant sein. So auch ein Langstreckenflug nach Vancouver. Gut zwei Stunden vor Take-off komme ich am Crewcenter in Frankfurt an, kurz danach treffe ich mich mit meinen Kollegen. Die Laptops werden angedockt und alle relevanten Flugdaten geladen. Gemeinsam beurteilen wir das Wetter und die geplante Route. Die Kerosinmenge wird festgelegt und per Knopfdruck von uns geordert. Wir treffen die Kabinencrew zu einem gemeinsamen kurzen Briefing über den Flugablauf. Danach geht es auch für uns zur Sicherheitskontrolle.

Cord Becker Flugvorbereitung

Sorgfalt beim Walkaround wie bei der Flugplanung am Workpad

© G. Schläger/ LH Technik; I. Friedl; J. Görlich; Kathrein

 Der Crewbus wartet bereits, noch eine Stunde bis zum Abflug. Wir kommen an der Maschine an, die bereits betankt wird – je nach Menge kann das bis zu einer Stunde dauern. Ich nehme telefonisch mit dem Flight Manager Kontakt auf: „Guten Morgen, hier läuft alles nach Plan, wir können pünktlich einsteigen.“ Ein Pilot macht dann den sogenannten walk around: Die Maschine wird am Boden von außen in Augenschein genommen, Fahrwerk, Triebwerke, Tragflächen und andere Teile werden überprüft. 45 Minuten vor dem Start sind Cleaning und Catering von Bord, der Kapitän überprüft den technisch dokumentierten Zustand der Maschine im Bordbuch und akzeptiert ihn durch seine Unterschrift. Flugdaten wie die geplante Strecke, Flughöhen und vorhergesagte Windströmungen werden in den Navigationscomputer geladen und gecheckt. Anschließend berechnen wir die Abhebegeschwindigkeit – und überprüfen sie mehrfach, denn hier wäre ein Fehler schwerwiegend.

Die Passagiere steigen bereits ein, während die Gepäckbeladung noch läuft. Im Cockpit gehen wir derweil die voraussichtliche Abflugroute durch und legen fest, was im Fall eines Triebwerkfehlers zu tun ist – wir sind auch auf Ausnahmesituationen gut vorbereitet. Dann melden wir uns bei der Flugsicherung an und fragen nach der Streckenfreigabe. Die ersten Checklisten werden gelesen, um Systeme erneut zu überprüfen. Wir erfahren die endgültige Passagierzahl, die Frachttüren schließen sich. Das Startgewicht steht nun exakt fest und kann final berechnet werden. Unmittelbar vor dem Anlassen gehen wir im Cockpit eine letzte Checkliste durch. Dann legt LH494 pünktlich vom Gate ab. Nach zehn Minuten heißt es aus dem Tower: „Cleared for take off.“ Die Maschine startet, und drei Minuten später stoßen wir durch die dicke Nebeldecke eines trüben Tages in pures Sonnenlicht – und lassen das hektische Treiben am Boden weit hinter uns. 
In zehn Stunden und 15 Minuten bringen wir unsere Gäste 
sicher über Grönland und endlose Eiswüsten bis an die Westküste Kanadas nach Vancouver.