Die „Heimat Küche + Bar“ im Hamburger 25hours Hotel HafenCity
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Neue deutsche Gastlichkeit

  • TEXT HORST-DIETER EBERT
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Mit Mut zum Stil wurden die 25hours Hotels zur originellsten Hotelgruppe des Landes – jetzt geht es hinaus in die weite Welt.

Das sieht man selten, zwei so unterschiedliche Männer, die einträchtig ein Erfolgsunternehmen leiten: der eine zweireihig, in feinem hanseatischem Zwirn, mit dezenter Krawatte und Einstecktuch; der andere in sorgfältig inszeniertem Shabby Chic – Hemd aus der Hose, gegelte Locken, Drei-Wochen-Bart. Zu zweit dirigieren und entwickeln sie die berühmteste junge Hotelgruppe des Landes – die 25hours Hotels. Der eine ist der Hotelier Kai Hollmann, 59, Gründer und Betreiber so designbewusster Hamburger Hotels wie Gastwerk und The George, freilich auch von jugendbewegten Backpacker-Herbergen wie der Superbude. Hollmann baute 2003 das erste 25hours Hotel. Der andere ist knapp zehn Jahre jünger: Christoph Hoffmann stieß drei Jahre später dazu und ist seither gewissermaßen als Chefideologe dabei, aus einem Hotel eine Gruppe zu machen, und daraus eine Marke. Zuvor hatte er bereits als Hotelier gearbeitet, zuletzt in der Leitung des kleinen feinen Hotel Louis C. Jacob in Hamburg. Von diesem Gipfel des Luxus stürzte sich Hoffmann in die gerade aufstrebende Welt der sogenannten Lifestyle-Hotels – Budget-Hotels mit günstigen Zimmerpreisen und hohem Spaßfaktor.

Hotelbetreiber Kai Hollmann (links) und Christoph Hoffmann

Die Macher Kai Hollmann (links) und Christoph Hoffmann

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Außenansicht des 25hours Hotels HafenCity

Das 25hours Hotel in der HafenCity Hamburg

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  Schon das erste 25hours Hotel (heutiger Zuname: Number One), 2003 in einem ehemaligen Kontor­haus im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld eröffnet, überraschte mit einem fantasiereichen Retro-Design aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Dabei präsentierte es sich mit ungewöhnlicher Nachwuchsförderung: Die unter 25-Jährigen erhielten 25 Prozent Rabatt, vor dem Haus standen Autos und Fahrräder zur kostenlosen Benutzung, Partys gab es in Serie, man duzte sich.

Es war ein Hotel mit besonderer Zielgruppe, ­eine Art Jugendhotel, keineswegs jedoch -herberge. Es ­erregte von Anfang an so großes Interesse, dass es ­bereits zwei Jahre später Pläne gab, das Konzept zum Programm einer ganzen Hotelgruppe zu machen. Hollmann und Hoffmann fanden überzeugte Komplizen. In den gut zehn Jahren seither entstanden acht 25hours Hotels in Deutschland, Zürich und Wien, alle nach dem unsinnigen, doch schlauen Slogan: „Kennst du eines, kennst du keines!“

Das Design der Hotels will auffällig, sexy und frech sein

Und jedes erzählt eine Geschichte: das in der Hamburger HafenCity (Motive: Seefahrt, Schiffe, Hansestadt) die von Kuttel Daddeldu, dem trinkfesten und lebensfrohen Seebären von Joachim Ringelnatz, mit Containern in der Lobby, Riesenfotos alter Seeleute an den Wänden und Zimmern, die hier Kojen heißen. Das Design der Hotels soll „auffällig, sexy und frech“ sein. Ähnlich in Berlin, wo das 25hours Bikini Hotel zwischen Gedächtniskirche und Zoo, aus dem man nachts die Tiere hört, den Großstadtdschungel (alias Urban Jungle) thematisiert: grün durchwuchert, mit Hängematten und Fahrrädern, die an den Zimmerwänden hängen, mit nostalgischen Telefonen, Vinylschallplatten und der höchst beliebten Monkey Bar auf dem Dach. Zu Beginn waren die 25hours Hotels vor allem günstig – doch ihr Erfolg änderte auch das: „Wir sind schon lange nicht mehr Budget“, sagt Hoffmann. Immerhin möchte er die Zimmerpreise deckeln, wenn sie sich zu sehr denen von Kempinski annähern.

Bar, Restaurant, Arbeits- und Wohnzimmer im 25hours Hotel HafenCity

Bar, Restaurant, Arbeits- und Wohnzimmer im 25hours Hotel HafenCity

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Einrichtungsdetails im 25hours Hotel HafenCity in Hamburg

„Moin“ und „Ahoi“ – Seefahrt, Schiffe & Hansestadt sind die Motive im Hamburger 25hours

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Tisch-Kicker im 25hours Hotel Hamburg

Tischkicker im 25hours Hotel Hamburg

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Ein Hotelzimmer im 25hours Hotel

Hotelzimmer nennt man hier „Kojen“

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Einrichtungsdetails im 25hours Hotel Hamburg

Meetingräume heißen „Freiräume“

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  Die jüngste Innovation der Gruppe ist ein „Kreativlabor“, wo Designer und Architekten an neuen 25hours-Herbergen tüfteln. Denn natürlich will die Marke weiter wachsen. Schon in diesem Jahr soll ein Haus am Münchner Bahnhofsplatz eröffnen, Thema „Royal Bavarian“, Königliches Bayern. Es gibt Projekte in Köln und Düsseldorf, ein zweites Haus in Zürich ist in Planung. Und ein Jahr später kommt dann, die große Mutprobe, Paris dran, der wohl umkämpfteste europäische Standort: In einem Altbau an der Gare du Nord mit exotischem Retro-Thema werden die dandyhaften kongolesischen „Sapeurs“ den Ton angeben.

Tatsächlich sind die Hotels mit den 25 Stunden („Weil 24 hier nicht ausreichen“) derzeit die einzige deutsche Hotelgruppe, die Chancen hat, weltweit zu expandieren. Die kluge Mischung aus Design, Witz und Lässigkeit macht ihnen zurzeit keiner nach. So wundert es die Branche nicht, dass die kleine deutsche Gruppe jüngst dem Werben des riesigen französischen Hotelkonzerns Accor (über 20 Marken von Raffles bis Ibis Budget mit rund 4000 Hotels in 95 Ländern) nachgegeben hat: Sie wird die einzige deutsche Marke in der Gruppe.

„Damit haben wir jetzt Netzwerke in allen Kontinenten“, sagt Hoffmann. Die Weichen sind gestellt, um die Marke 25hours „auch in Melbourne, Miami oder Mumbai“ zu entwickeln. Man soll künftig überall auf der Welt erfahren, wie schön es ist, wenn der Tag im Hotel eine Stunde länger dauert.


Ein Beitrag aus dem Vielflieger-Magazin Lufthansa Exclusive. Mehr zu den Miles & More Angeboten von Lufthansa erfahren Sie hier.

 

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