In Mondello auf Sizilien stehen viele Eiswagen bereit
© Tim Möller-Kaya

Lärm und Laune auf Sizilien

  • TEXT HELGE TIMMERBERG
  • ILLUSTRATION TIM MÖLLER-KAYA

Mondello ist die ideale Kombination aus Strandurlaub und Städtetrip. Das erste allein wird schnell langweilig, nur zweites schnell ungesund. Der ehemalige Fischerort an der nördlichen Kante von Sizilien aber vereint die Trance einer mediterranen Bilderbuchbucht mit der Energie von Palermo.

Nur eine Uferpromenade trennt die Welten. Sonnenschirme, Sand und ein sympathischer Hafen für Segelschiffchen auf der einen Straßenseite, auf der anderen Restaurants, Cafés, Cocktailbars. Vom Badetuch bis zum Dorfplatz geht man in 50 Schritten.

Ein paar Meter weiter verhindern subtropische Hecken den Blick in die privaten Gärten der Jugendstilvillen aus den Kindertagen des 20. Jahrhunderts, die den wohlhabenden Bürgern der nahen Großstadt als Wochenendresidenzen dienen.

Auch schön: wenig ausländische Touristen. In Mondello geht Palermo baden, so lassen sich original sizilianische Sitten studieren: lärmende Großfamilien mit gut frisierten Kindern, viel Testosteron auf kleinen Motorrädern, Dolce Vita an 1000 Gelati-Ständen.

Vorsicht! Eine Kugel Erdbeereis ist in Sizilien so groß wie drei Kugeln bei uns – und im Wertekosmos der so cholesterin- wie kalorienbewussten Mitteleuropäer ist jede Zutat darin böse. Aber es schmeckt, als habe man nie zuvor richtiges Eis gegessen, sondern nur die Ahnung davon.

Strandleben, Dorfleben, Nachtleben – von der Siesta bis zur Fiesta bietet Mondello wenig Gründe, den Ort zu verlassen. Nicht mal kriminelle. Die Mafia ist unsichtbar für Touristen. Auch Gangster packen, wie das kleine Schwesterlein, nur die Badehose ein, wenn sie Urlaub machen.


Unser Kolumnist, 1952 geboren, trampte mit 17 Jahren erstmals nach Indien und traf anschließend seine Berufswahl: Reiseautor. Seitdem pflegt er sein heftiges Fernweh, schreibt Reisebücher aus aller Welt – und jeden Monat hier.

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