Zwischen den Welten - Tom Jacobi

NAMIB-WÜSTE, Namibia
„In dieser Senke mit dem Namen Deadvlei herrscht absolute Stille. Das Bild habe ich ,Zen‘ getauft, weil es für mich Kontemplation symbolisiert, die Reduktion auf das Wesent­liche. Das passt auch zu der tragenden Rolle, die die Farbe Grau in allen Religionen spielt. Der Legende nach wurde Buddha frühmorgens erleuchtet, bevor die Sonne aufging und der Welt ihre Farbigkeit verlieh. Jesus soll nachts geboren worden sein, und es war auch Nacht, als der Erzengel Gabriel dem Propheten Mohammed erschien.“

© Tom Jacobi
Zwischen den Welten - Tom Jacobi

NEW MEXICO, USA
„Die Formation, die ich ,The Wall‘ nenne, habe ich zufällig entdeckt, auf dem Weg zu einem heiligen Felsen der Navajo. Sie erinnert mich an die Berliner Mauer und sieht aus, als hätte sie ein Riese mitten in die Landschaft gestellt.“

© Tom Jacobi
Zwischen den Welten - Tom Jacobi

NEW MEXICO, USA
„Den ,King of Wings‘ habe ich dagegen gezielt angesteuert. Ich hatte ihn in einem Geologie-Forum im Internet entdeckt und war sofort fasziniert. Ich musste lange betteln, bis mir einer der Leute dort die GPS-Daten verraten hat.“

© Tom Jacobi
Zwischen den Welten - Tom Jacobi

WILDLIFE PARK, Australien
„So etwas habe ich vorher noch nie gesehen: Aus der endlosen Buschlandschaft bei dem Ort Hyden erhebt sich der 15 Meter hohe und über 100 Meter lange ,Wave Rock‘, der aussieht wie eine in der Bewegung eingefrorene Welle. Auch die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein: Die Männer tragen Hut und knöchelhohe Lederstiefel, die wenigen Bars im nächsten Ort servieren schlechtes Essen. Ich war froh, als ich mein Bild hatte und weiterreisen konnte.“

© Tom Jacobi
Zwischen den Welten - Tom Jacobi

SNÆFELLSNES, Island
„Der Berg Kirkjufell ist das Titelmotiv meines Buchs, das Bild bedeutet mir besonders viel. Damit sich der Berg im Wasser spiegelt, musste es absolut windstill sein – das kommt in Island extrem selten vor. Ich hatte es schon aufgegeben und war auf dem Weg zum Flughafen, da flaute der Wind plötzlich ab. Ich habe meinen Rückflug verschoben und noch einmal kehrtgemacht. Wie man sieht, hat es sich gelohnt.“

© Tom Jacobi
Zwischen den Welten - Tom Jacobi

PATAGONIEN, Argentinien
„Zugegeben, der Perito-Moreno-Gletscher wurde schon häufig fotografiert. Für mich hat er dadurch nichts von seinem Zauber verloren. Wenn man dort
oben steht, muss man sich zwicken, so unwirklich erscheint einem der Anblick: die schwarzen Felsen, dazu das weiße Eis, in dem ein Hauch von Blau schimmert. Besser hätten sich das Hollywoods Set-Designer auch nicht ausdenken können.“

© Tom Jacobi

Tom Jacobi, 60, war Artdirector beim Stern und Chefredakteur bei View; heute arbeitet er als ­freier Fotograf.

Vom 22. Januar bis zum 16. April 2016 werden seine Bilder in der CWC Gallery in Berlin ausgestellt. Sein Buch „Grey Matter(s)“ erschien im Hirmer Verlag; 49,90 Euro.

hirmerverlag.de
camerawork.de