Skytalk mit Nicole Kidman: "Ich bin von Natur aus neugierig"
AFP/Getty Images

Ein kühler Auftritt ganz ohne Glamour: In ihrem neuen Film spielt Nicole Kidman eine gepeinigte Polizistin. Im Interview spricht der Hollywood-Star über Kinder, SMS-Allergie und den Mut zur Hässlichkeit.

Frau Kidman, die „#MeToo“-Bewegung setzt sich seit über einem Jahr energisch für die Rechte der Frauen ein. Hat sich schon etwas verändert?

Ich engagiere mich seit über 20 Jahren vor allem für Gesetze, die Gewalt gegen Frauen stärker ahnden. Es ist offensichtlich, dass sich in letzter Zeit viel geändert hat. Man geht mit Frauen ganz anders um. Und mittlerweile habe ich so viel Einfluss, dass ich helfen und wirklich etwas bewegen kann. Dazu zählt auch, Projekte von weiblichen Filmemachern zu unterstützen, wie nun „Destroyer“ von Karyn Kusama.

Sie spielen die Polizistin Erin Bell, die gründlich mit ihrer ­Vergangenheit aufräumt. Sind Sie selbst schon mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten?

Zum Glück nicht! Umso intensiver musste ich mich vorbereiten. Ich musste meine Angst vor Waffen ablegen und lernen, mit ihnen umzugehen. Ich wurde von Armee-Ausbildern trainiert und habe wochenlang Schießübungen gemacht.

Waren Sie früher eine Rebellin?

Ja, als Teenie konnte ich ziemlich dickköpfig sein. Ich bin von Natur aus neugierig und wollte immer alles wissen, was hinter verschlossenen Türen vor sich geht. Das hat mir geholfen, meinen Traum zu verfolgen: Ich wollte unbedingt Schauspielerin werden. Also musste ich eine Mischung aus Hartnäckigkeit und taktischem Geschick entwickeln, um ans Ziel zu kommen. Mir half, dass ich schon früh ein gutes Gespür dafür besaß, wann ich gegenüber meinen Eltern mal kompromissbereit sein sollte.

Verstehen Sie Ihre Mutter im Rückblick besser, seitdem Sie selbst Kinder haben?

Ich verstehe das ganze Leben besser! Ich verstehe, was es bedeutet, Kinder zu erziehen, geduldig zu sein und bedingungslos zu lieben. Was es bedeutet, seine Familie beschützen zu wollen und Verlustängste zu haben. Wie schwierig es ist, seinem Kind zu erlauben, Fehler zu machen, damit es daraus lernt. Man kann sie nicht immer retten und vor allen Irrtümern bewahren.

Skytalk: Nicole Kidman

Einst ein Traumpaar: mit Tom Cruise in "Tage des Donners" (1990)

© Paramount Pictures/gettyimages

Erziehung ist anstrengend …

Ja, oft ist es schrecklich mühsam! Aber man würde für seine Kinder alles tun, alles aufgeben oder alles verändern. Das Schwierigste ist, dass man immer das Beste für sein Kind will. Aber es immer vor Schmerzen oder Leid zu bewahren ist eben nicht immer das Beste für das Kind. Da einen Mittelweg zu finden ist für eine Mutter wahnsinnig hart.

Erst „Aquaman“, dann „Der verlorene Sohn“, jetzt „Destroyer“. Wie schaffen Sie es, mit vier Kindern so fleißig zu drehen?

Meine Familie begleitet mich. Wir sind nicht gern lange voneinander getrennt. So wurden wir zu modernen Nomaden, immer unterwegs, mit einem Privatlehrer im Tross. Aber wenn wir zu Hause sind, gehen die Kids ganz normal zur Schule.

Können Sie radikale, teils verstörende Rollen annehmen, weil Sie einen so stabilen Rückhalt durch Ihre Familie haben?

Absolut! Ich habe einen fantastischen Mann, das ist die Basis meiner Karriere. Ich meine: Keith ist ein richtiger Mann, nicht nur ein ­großer Junge. Er kann pragmatisch sein und trifft kluge Entscheidungen. Ohne ihn würde ich das alles nicht schaffen.

Stimmt es, dass Sie einander keine SMS schreiben?

Ja, denn so müssen wir mehr miteinander reden. Wenn wir uns etwas zu sagen haben, rufen wir uns an. Ich will seine Stimme hören, wenn wir etwas besprechen. Über die Stimme versteht man den anderen besser, als wenn man seine Kurznachrichten interpretieren muss. In einer leidenschaftlichen Beziehung streitet man sich oft über Dinge, die nie falsch verstanden worden wären, wenn man gleich miteinander gesprochen hätte.

Für Ihre Rolle in „Destroyer“ haben Sie sich bis zur Unkenntlichkeit verändern lassen. Sind Sie so wenig eitel?

Ich putze mich gern heraus und suche mir hübsche Kleider aus, das verstehe ich unter einer gesunden Eitelkeit. Aber für meine Rollen tue ich alles! Es hat sich sogar fantastisch angefühlt, so kaputt und fertig auszusehen. Ich ging anders, sprach anders, auf der Straße hat mich niemand erkannt. Es war interessant zu sehen, wie Leute auf mich reagieren, wenn sie nicht gleich merken, dass ich Nicole Kidman bin. Ich war praktisch unsichtbar.

Skytalk: Nicole Kidman

Jenseits von Glanz und Glamour: Nicole Kidman als Ex-Undercover-Polizistin Erin Bell im Actionfilm "Destroyer"

© IMDb.com,Inc.

  Mein Mann ist fantastisch, ein richtiger Mann, nicht nur ein großer Junge

Nicole Kidman, Schauspielerin

Fanden Sie es, nun ja, schwierig, 50 Jahre alt zu werden?

Es ist nicht leicht, weil ich kleine Kinder habe. Ich bin die älteste Mutter in der Klasse meiner siebenjährigen Tochter. Ich hoffe natürlich, meine Kids möglichst lange zu begleiten. Ich will sehen, wie sie heiraten, ich möchte meine Enkel kennenlernen. Am wichtigsten aber ist mir, meine Lebensfreude zu behalten.

Was war die beste Entscheidung Ihres Lebens?

Eindeutig: zu heiraten und eine Familie zu gründen. Der Beruf ist nicht so glamourös, wie es scheint. Sogar in der Nacht, als ich einen Oscar gewann, kam ich zurück in mein Hotelzimmer – und war allein! Wie Cinderella nach dem Ball. Das war extrem.

Mit Ihrem Mann Keith Urban leben Sie seit 2007 in der Nähe von Nashville. Wie reagiert man dort auf Sie und Ihre Familie?

Den meisten ist es völlig egal. Die Leute gucken uns kurz an, aber niemand macht einen Aufstand deswegen.

Ist Nashville auch deshalb attraktiv, weil Ihr Mann Musiker und die Stadt das Mekka der Countrymusik ist?

Als ich geheiratet habe, war es für meinen Job egal, wo ich lebe. Aber für Keiths Beruf war und ist Nashville natürlich wichtig, er lebt schon seit 20 Jahren hier. Doch zu mir passt die Gegend auch: Ich reite, arbeite im Garten, habe einen Rosen- und einen Gemüsegarten angelegt. Ehrlich, ich mag das Landleben.