Genuss auf die Hand: Sergio Esposito versorgt die anspruchsvollen Römer mit deftig belegten Brötchen

Happs und weg

  • TEXT VANESSA OELKER
  • FOTOS LORENZO PESCE

Genuss auf die Hand: Sergio Esposito versorgt die anspruchsvollen Römer mit deftig belegten Brötchen

Dass die lukullisch verwöhnten Römer in Scharen zu Sergio Esposito pilgern, kommt einem Ritterschlag gleich. 2012 zog der pensionierte Schlachter in die neue Markthalle in Testaccio, dem ehemaligen Schlachthofviertel. Er steht in Box 15 der Nuovo Mercato Testaccio, mit weißer Metzgerschürze, blauem Kopftuch und der Ruhe eines Maîtres. Mordi & Vai (etwa Zubeißen & Gehen) heißt sein Stand. Esposito serviert römische Klassiker im Brötchen, die Rezepte stammen von seiner Großmutter. Voll ist es immer: Erst kommen die Arbeiter, dann die Studenten, dazwischen ein paar Touristen und alle ziehen eine Nummer. Der Italiener hat kein Talent zum Schlangestehen.

Allesso di scottona e cicorietta etwa quetscht sich zwischen die knackigen Brötchenhälften, wo sich die Aromen von klein geschnittenem Färsenfleisch mit denen der bitteren Zichorie und feinster öliger Bratensoße vermengen. Oder coratella e carciofi – gebratene Innereien wie Herz oder Lunge mit frischen Artischocken. Argwöhnisch hatten die Einwohner den Bau der Markthalle beäugt, Gentrifizierung und Sterilität befürchtet. Doch die blieben aus, der Cappuccino kostet noch immer einen Euro und Espositos einziges Zugeständnis an den Zeitgeist ist genau eine vegetarische Variante. Nicht das Testaccio hat sich der Markthalle angepasst, sondern die Markthalle dem Testaccio.


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