„Ist doch alles bloß Illusion!”

Hugh Jackman

Interview

  • INTERVIEW RÜDIGER STURM

Musical-Star, Schauspieler, Model und Oscar-Moderator: Hugh Jackman ist ein Multitalent. Im Interview spricht er über seine Furcht vorm Singen, über große Egos, kleine Probleme und das Ende von Wolverine.

Mr. Jackman, in Ihrem neuesten Film „The Greatest Showman“ verkörpern Sie den Zirkuspionier P. T. Barnum. Ist so jemand ein Vorbild für Sie?

Von der Persönlichkeit ist er ganz anders, aber er ist auch eine Inspiration. Wenn ich in einem Bühnenstück auftrete, möchte ich, so wie er einst, dem Publikum das Gefühl geben, dass es keine x-beliebige Vorstellung erlebt, sondern einen einmaligen Abend. Und Barnum war ein echtes Marketing-Genie. Sein Motto war: „Du kannst eine noch so tolle Show haben, wenn du keine Publicity dafür bekommst, ist das gar nichts wert.“

Gibt es heute noch solche Persönlichkeiten wie Barnum?

Natürlich. Steve Jobs war so ein Typ, Richard Branson ist so. Man kann Barnum sogar mit Donald Trump vergleichen: Beide verstanden instinktiv, was Medien und die Masse wollten, beide schrieben populistische Bücher übers Geldverdienen, Barnum „The Art of Money Getting“, Trump „The Art of the Deal“.

Bewundern Sie solche Erfolgsmenschen?

Wenn ich jemanden bewundere, dann große Sportler. Oder den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, den Begründer der Mikrokredite, oder den spirituellen Autor Deepak Chopra. Mein größter Held war und ist Nelson Mandela. An Barnum finde ich bewundernswert, wie er unser Denken beeinflusst hat. Die Idee, dass nicht die Herkunft, sondern Talent, Visionen und harte Arbeit zum Erfolg führen können, hat er mitgeprägt.

Wie ist Ihr Verhältnis zur „Kunst des Geldverdienens“?

Sehr klar, sehr gesund. Ich habe am Anfang meiner Karriere nicht viel verdient, meine Frau, ebenfalls Schauspielerin, genauso wenig. Aber wir waren ebenso glücklich wie heute. Das gilt für meine ganze Familie. Wenn meine Mutter etwas zu Weihnachten bekam, hat sie das prompt weiterverschenkt – bis auf die 20 selbst gekochten Abendessen, die sie mal von mir bekam. Mit materiellem Besitz habe ich nichts am Hut – das ist ein wichtiger Unterschied zwischen mir und P. T. Barnum.

Skytalk: Hugh Jackman als P. T. Barnum in „The Greatest Showman“

Hugh Jackman als P. T. Barnum in „The Greatest Showman“

© Jesse Dittmar/Redux/laif

Wann hatten Sie selbst die Idee, Showstar werden zu wollen?

Mit fünf Jahren, da sang ich in einem Schulkonzert. Aber ich war auch später kein toller Performer: Als ich 1995 eine Rolle in „Beauty and the Beast“ bekam, stand im Vertrag, ich müsste noch Gesangsstunden nehmen. Als Musical-Darsteller war ich ein schwieriger Fall, vor dem Singen hatte ich regelrecht Angst.

So schlimm?

Der Höhepunkt war, als ich 1997 vor dem Bledisloe Cup, einem großen Rugby-Match, die australische Nationalhymne singen musste – vor 100 000 Zuschauern. Einige meiner Vorgänger wurden in Grund und Boden gebuht, aber ich glaubte fest an mich. In der Nacht davor hatte ich die erste Panikattacke meines Lebens: Warum hatte ich mir das bloß angetan?

Wie wurden Sie dann damit fertig?

Ich lernte mich zu überwinden. Meine älteren Brüder machten verrückte Sachen, von hohen Klippen ins Meer springen, so etwas. Also musste ich mich an solche Herausforderungen gewöhnen. Aber ich habe dem Singen meinen Durchbruch in Hollywood zu verdanken. Ich feierte große Erfolge im Musical „Oklahoma“, als ich für ein paar Filme vorsprach. Die Agenten sagten: „Sie waren großartig!“ Ich fragte: „Haben Sie die Show gesehen?“ Sie wieder: „Nein, aber ich habe davon gehört.“

Sie haben auch mit realen Gefahren zu kämpfen. Sie leiden an Hautkrebs und mussten mehrfach operiert werden …

Aber bitte, das ist ein kleines Problem, ein Basalzellkarzinom, davon stirbt man in der Regel nicht. Man muss es nur beobachten. Ich spreche offen darüber, denn ich will, dass jeder Sonnencreme benutzt und regelmäßig seine Check-ups macht, was ich als Kind eben nicht getan habe.

Sie wirken so entspannt, wenn Sie davon erzählen …

Das liegt wohl daran, dass ich seit 1992 Transzendentale Meditation praktiziere. Nichts Religiöses, nur eine Technik. Ich mache das zweimal täglich, es hilft mir, mich zu konzentrieren.

Was gelingt Ihnen jetzt besser?

Ich kann besser auf Leute zugehen, ich vertraue mir mehr und lasse mich nicht mehr so leicht überwältigen. Und ich bin effizienter geworden, schaffe doppelt so viel wie früher. Mir scheint, ich bin besser in der Wirklichkeit verankert. Das ist besonders wichtig, da sich mein Job komplett um Illusionen dreht.

Syktalk: Hugh Jackman als Wolverine in "X-Men" (2000)

Hugh Jackman als Wolverine in "X-Men" (2000)

© LMKMEDIA/INTERTOPICS, action press

Trotz dieser Entspannungseinheiten scheinen Sie etwas die Lust am Beruf zu verlieren. Sie wollten partout nicht zu Ihrer Paradefigur zurück, Wolverine aus den „X-Men“-Filmen …

Das liegt aber nicht an fehlender Lust. Zum einen denke ich: Ah, endlich ist diese Figur, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte, also reizt es mich schon. Aber ich muss auch an einen Rat des legendären Comedians Jerry Seinfeld denken. Als ich ihn fragte, warum er mit seiner TV-Serie aufhörte, meinte er: „Wenn du zum richtigen Zeitpunkt aussteigst, beginnst du die nächste Phase deiner Karriere mit Energie und Begeisterung. Das klappt aber nicht, wenn du ein bisschen zu lange dabeibleibst.“ Das klingt für mich sehr einleuchtend.

Beim Dreh zum ersten ›X-Men‹-Film habe ich jeden Tag damit gerechnet, dass man mich feuert

Hugh Jackman, Schauspieler

Stimmt es, dass die Anfänge in dieser Rolle schwer waren?

Es war furchtbar. Beim Dreh zum ersten „X-Men“-Film habe ich jeden Tag damit gerechnet, dass man mich feuert. Ich wollte es dem Regisseur recht machen, aber es klappte nicht. Ich dachte, wenn ich sowieso aufhören muss, mache ich es so, wie ich es für richtig halte. Ich wollte mit fliegenden Fahnen untergehen – prompt gefiel ihm der neue Ansatz viel besser.

Hat es Vorteile, nicht mehr Wolverine zu sein?

Das Training war verrückt. Ich kann nur abraten. Man darf keine Kohlenhydrate essen, ist schlecht drauf, fühlt sich müde.

Immerhin wurden Sie zum „Sexiest Man Alive“ gekürt …

Das habe ich nie ernst genommen! Ich weiß, dass das Studio dafür Lobbyarbeit gemacht hat. Nichts als Illusionen! Ehrlich, ich weiß, was an so einem Status echt ist und was nicht.