Skytalk: Jamie Foxx
© Mike McGregor/Contour by Getty Images

Als treuer Begleiter von „Robin Hood“ glänzt Jamie Foxx im Kino. Im Interview spricht er über Instagram, Wohltätigkeit und das Glück, mit Quincy Jones befreundet zu sein.

Mr. Foxx, Ihre Rolle in „Robin Hood“ ist die des Little John, eines klugen und – der Name ist pure Ironie – riesigen Kerls. Haben Sie sich zur Vorbereitung mal angesehen, wie dieser Begleiter des mutigen Helden in all den bisherigen Verfilmungen dargestellt wurde?

Nein, das brauchte ich auch gar nicht. Unsere Geschichte ist eine ganz eigene, es gibt kaum Bezüge zu den alten Filmen. Ich halte aber auch sonst nicht viel von dieser Methode. Als Schauspieler bin ich wie ein Schwamm, der alles aufsaugt. Wenn man nicht aufpasst, übernimmt man viel zu viel von dem, was man bei einem anderen gesehen hat.

Wie würden Sie denn die wichtigsten Unterschiede zu den alten Filmen beschreiben?

Die Story spielt zwar in der Vergangenheit, aber sie ist doch realistisch, mit einem direkten Bezug zur Gegenwart. Ich spiele einen Mann aus Arabien, der dort gegen die Engländer auf ihren Kreuzzügen kämpfte und später, traumatisiert von Kriegserlebnissen, in die Heimat seiner Feinde kommt. Man müsste die vergangenen Jahre weit hinter dem Mond gelebt haben, um nicht zu erkennen, wie aktuell diese Geschichte ist. Zudem erzählt sie von Machtmissbrauch und von der Hoffnung auf Veränderung, die Robin Hood repräsentiert. Auf der einen Seite stehen Menschen, die aus Gier handeln, auf der anderen jene, die sich da­gegen wehren. Für mich klingt das nicht wie ein alter Mythos.

Glauben Sie, dass das Publikum offen ist für diese Deutung?

Unbedingt! Es ist ein moderner, cooler Actionfilm für ein junges Publikum. Das konnte man schon auf Insta­gram sehen: Wann immer das Team dort vorab Bilder aus dem Film postete, gab es eine echte Flut von Likes. Meine Freunde haben immer gelacht, wenn ich von meiner Rolle erzählt habe. Sie dachten, ich laufe beim Dreh ständig in Strumpfhosen herum. Glauben Sie mir: Strumpfhosen sind das Letzte, woran man in dem Film denkt.

Skytalk: Jamie Foxx

Verwechslungsgefahr: Foxx als Soul- und Jazz-Genie "Ray" (2004)

© Intertopics

Wie erklären Sie sich, dass eine urbritische Sage auch die Amerikaner schon so lange derart fasziniert?

Gier spielt, ob uns das passt oder nicht, weltweit eine große Rolle. Ich gucke im Fernsehen ab und zu eine faszinierende Reportage-Reihe namens „American Greed“. Da sieht man, wie es abläuft: Erst will jemand nur ein bisschen mehr Geld haben als bisher, und ehe man sich versieht, wird er unersättlich, kurz darauf ist er in Machenschaften verstrickt, die ganze Bankenkrisen auslösen.

Wie hängt das nun mit „Robin Hood“ zusammen?

Ich glaube, dass solche Mechanismen immer auch Gegen­reak-tionen hervorrufen – und dass durch die US-amerikanische Gesellschaft immer auch der Geist eines Robin Hood wehte. Je mehr sich Menschen an ihren Mitbürgern bereichern, desto mehr Leute gibt es auch, die von den Reichen nehmen wollen, um den Armen zu geben. Wir Amerikaner haben ein feines ­Gespür und immer schon darauf geachtet, dass unser System nicht komplett aus dem Gleichgewicht gerät.

In kaum einem anderen Land gibt es so viele wohltätige Organisationen und eine so große Spendenbereitschaft wie in den USA. Sind Sie da auch aktiv?

Ja, am engsten verbunden bin ich der Global Down Syndrome Foundation – meine jüngere Schwester DeOndra hat das Down-Syndrom. Als sie vor einigen Jahren ein Video zu einem meiner Songs gedreht und online gestellt hat, wurde die Stiftung aufmerksam. Seither engagiere ich mich sehr für sie.

Sie engagieren sich finanziell?

Auch, aber nicht nur. Einmal im Jahr veranstalten wir in Denver eine große Wohltätigkeitsveranstaltung, auch mithilfe des großartigen Musikproduzenten Quincy Jones. Es gibt eine Modenschau, bei der Models mit Down-Syndrom in Versace oder Gucci über den Laufsteg gehen, und natürlich eine Versteigerung. Da bleibt kein Auge trocken, auch nicht bei Promis wie Queen Latifah, Peyton Manning oder Alec Baldwin. Bevor ich vor acht Jahren anfing, mich für die Organisation einzusetzen, trieb sie etwa 200 000 Dollar im Jahr für die Forschung auf. Inzwischen sind es 30 bis 40 Millionen!

Skytalk: Jamie Foxx

Energisch: mit Taron Egerton in "Robin Hood" (2018)

© Larry Horricks/Studiocanal GmbH

  Ich hatte ungeheuer viel Glück, was die Wahl meiner Ratgeber angeht

Jamie Foxx, Schauspieler und Musiker

Ist der legendäre Quincy Jones ein Vorbild für Sie?

Mehr als das, er ist ein Freund und einer meiner Mentoren – und ich fühle mich reich beschenkt. Mit ihm zusammenzusitzen und stundenlang über die Arbeit mit Frank Sinatra, Barbra Streisand oder Michael Jackson zu sprechen gehört zu den besten Erfahrungen meines Lebens. Ich hatte ungeheuer viel Glück, was die Wahl meiner Ratgeber angeht, auch Denzel Wa­shing­ton gehört dazu. Wenn er abends bei mir am Esstisch sitzt, drängt sich mein halber Freundeskreis um ihn, weil jeder von seiner Lebensweisheit profitieren möchte.

Geben Sie selbst Ihre eigenen Erfahrungen auch weiter?

Auf jeden Fall. Hollywood ist ein seltsamer und komplizierter Ort, guten Rat kann man da immer gebrauchen. Wenn ich heute junge talentierte Kerle sehe, will ich ihnen etwas mit auf den Weg geben. Ich finde es wichtig, dass sie ihre Begeisterung für die Sache nicht verlieren. Es geht darum, dass wir alle zu einer Gemeinschaft von Künstlern gehören. Das verliert man leicht aus den Augen, wenn man nur noch darauf achtet, was die Presse schreibt und was auf Social Media los ist.

Auf „Unpredictable“, Ihrem erfolgreichsten Album als Mu­siker, gab es vor 14 Jahren auch „Heaven“, einen Song über Gott. Welchen Bezug haben Sie heute zur Spiritualität?

Sie ist immer eine treibende Kraft für mich. Die Vorstellung, es könnte einen Himmel oder etwas Ähnliches geben, finde ich fantastisch. Ich bin aber kein Anhänger einer bestimmten Re­ligion, mich interessieren alle Arten von Spiritualität. Allzu oft werden Religionen gegeneinander ausgespielt, aber ich tue das Gegenteil. Ich bringe, zumindest für mich persönlich, diese Glaubensrichtungen zusammen und verschmelze sie. Einfach so, ohne bewusste Ziele, rein instinktiv.