Kolumne: Der wunderbare Weg nach Tanger
© Tim Möller-Kaya

  Wenn der Weg zum Ziel wird, hat man natürlich alles richtig gemacht. Nach Tanger, mal als Beispiel, reise ich furchtbar gern in der abwechslungsreichen Dreier-Kombination Himmel – Straße – Meer. Es beginnt mit dem Flug nach Malaga. Egal wo man in Deutschland startet, viel länger als zwei Stunden dauert der nicht. Ein Frühstück, eine gute Zeitung oder ein kleines Nickerchen, und schon landet man im Süden Spaniens. Die Busse nach Algeciras warten vor dem Flughafen und fahren stündlich durch nunmehr subtropisches Klima an Palmen und Buchten vorbei. Zwei kurze Stopps für Café au lait und Croissants, einer in Torremolinos, einer in Marbella, und bevor das langweilig wird, ist man am Hafen von Algeciras, wo die Fähren nach Marokko ebenfalls im Stundentakt ablegen. Die Speedfähren nach Tanger brauchen rund 45 Minuten, die normalen etwa eine Stunde oder eineinhalb. Für mich ist das ideal, weil ich lange Schifffahrten nicht mag, kurze dagegen sehr. Außerdem ist bereits das Flair auf den Fähren ziemlich marokkanisch. So assimiliert man sich im Maghreb. Bei einem Thé à la menthe lasse ich Europa hinter mir und freue mich auf die Küste des afrikanischen Kontinents, die sich zügig aus dem Horizont herausschält. Ich habe diese Tour bisher sechs oder siebenmal gemacht, und immer spielte dabei eine Delfinfamilie in den Bugwellen, wie in einem Erlebnisbad. Die letzten Meter kann man zu Fuß gehen, weil das Hôtel Continental direkt am Hafen liegt, nur ein paar schmale, steile Gassen höher. Von seinen Balkonen und Terrassen schaut man schon wieder auf das Meer. Und wenn dann als bald das Ziel so schön wird wie der Weg, ist das natürlich auch nicht verkehrt.


Unser Kolumnist pflegt seit 1969 sein heftiges Fernweh, schreibt Reisebücher aus aller Welt – und jeden Monat hier.

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