Kosmopolitisches Kleingeld
© Tim Möller-Kaya

Kosmopolitisches Kleingeld

  • TEXT HELGE TIMMERBERG
  • ILLUSTRATION TIM MÖLLER-KAYA

 Neulich war ich auch mal kurz in Deutschland und freute mich auf eine deutsche Brotzeit und ein Bier. Es wurden zwei, und einen Nachtisch hatte ich auch noch. Das ist natürlich nicht schlimm, doch als ich bezahlen wollte, stellte ich fest, dass es einer dieser merkwürdigen Abende war, an denen ich entweder ohne Geldscheine aus dem Hotel gegangen war oder sie bereits anderweitig investiert hatte. Und das bisschen Kleingeld, das ich noch in meiner Hosentasche fand, reichte nur fast. 50 Cent fehlten. Ist das eine Mikro-Zechprellerei? Oder einfach nur peinlich?

Wahrscheinlich ist es beides. Die nette Bedienung hätte eher ein großzügiges Trinkgeld verdient, als selbst etwas dazulegen zu müssen. Und, ach ja, meine Kreditkarten hatte ich – Gott allein weiß, warum – auch nicht dabei. Dafür aber meinen kleinen Rucksack. No problem, dachte ich hoffnungsfroh, der ist ein Münzengrab. Er hat drei Außentaschen. Als ich in die erste griff, machte sich, ich hatte es ja geahnt, sofort Erleichterung breit. Meine Hand förderte einen Haufen Münzen zutage, und ein paar davon sahen in dem dämmrigen Kneipenlicht auch wie Euros aus. Erst als ich mein Feuerzeug drüberhielt, wurden marokkanische Dirham draus. Die wollte hier aber niemand. Auch in der zweiten Außentasche fand ich jede Menge Kleingeld. Jetzt waren es ausnahmslos kanadische Cent – eine solide Währung, aber in Regensburg auch nur Ballast. In der dritten Tasche meines Rucksacks waren dann Schweizer Franken. Die nette Kellnerin konnte glücklicherweise darüber lachen und ich dann auch, weil mir die Situation so paradox vorkam: Ich war mitten in Deutschland und trotzdem ziemlich out of Germany.


Unser Kolumnist pflegt seit 1969 sein heftiges Fernweh, schreibt Reisebücher aus aller Welt – und jeden Monat hier.

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