Landeerlaubnis: Aufmacher
© Stephen Gill

Ein Holzpflock auf einem Feld in Schweden wurde für den Fotografen Stephen Gill zum Outdoor-Studio mit Bewegungssensor. Ob Spatz oder Greifvogel: Für sein Buch „The Pillar“ glückten ihm einzigartige Bilder der weltbesten Flugkünstler.

Weit, leer und unbelebt erschien dem zuvor in Londo­n lebenden Fotografen Stephen Gill die Landschaft, als er 2014 nach Südschweden zog – vielleicht lag es an dem Kontrast zwischen der britischen Millionenmetropole und dem nur dünn besiedelten Skåne. Doch dann startete Gill im Jahr darauf ein Experiment, das ihn vier Jahre lang faszinieren sollte: In Sichtweite seines Hauses schlug er einen eineinhalb Meter hohen Pfahl in eine Wiese, daneben installierte er eine Kamera mit Bewegungssensor. Und dann geschah es: Der Holzpflock erwies sich als attraktiver Landeplatz für eine Vielzahl von Vögeln – vom Feldsperling bis zum Seeadler.

192 Vogelarten soll es in der Region ge­ben, 24 davon konnte Gill identifizieren (außerdem Rehe und einen Fuchs als Beifang). „Ich war daran interessiert, wie sich die Vögel präsentieren, und an ihrem individuellen Charakter“, sagt er. „Ich mag auch, dass sie alle ein wenig linkisch und unbeholfen wirkten – anders, als wir Natur oft entwerfen oder darstellen.“ Und die Tiere belohnten ihn mit einer der fröhlichsten und charmantesten Serien der Natur­fotografie. „Die Vögel haben die Bilder selbst gemacht – ich habe mich so weit wie möglich herausgehalten und ihnen die Bühne überlassen.“ Das nutzten seine Modelle: Da wird ausgiebig das Gefieder geputzt, ohne zu blinzeln in die Linse gestarrt, akrobatische Landungen sind ebenso dokumentiert wie Kämpfe um den exponierten Sitzplatz. Aufgenommen wurde das Geschehen mit einer einfachen Kamera, wie sie auch Feldforscher und Jäger benutzen. „Am Anfang war der Sensor zu sensibel eingestellt und löste bei jedem Halm und jeder Windböe aus“, erinnert sich der Brite.

Während sich Gill beim Fotografieren zurücknahm, gestaltete er die Motive durch seine Auswahl: Er legte sie als spannungsvolle Komposition an, ließ Unschärfen bewusst zu. „Hochauflösende Bilder und scharfes Fokussieren ersticken die Natur“, so Gill, „doch der Mangel an Schärfe in manchen Aufnahmen gibt den Vögeln wieder Raum zum Atmen – und bewahrt die Magie.“

Naturtalente vor der Kamera


 

Landeerlaubnis

Rohrweihe, ­Weibchen

© Stephen Gill
Landeerlaubnis

Turmfalke, Männchen

© Stephen Gill
Landeerlaubnis

Stare

© Stephen Gill
Landeerlaubnis

Feldsperling

© Stephen Gill
Landeerlaubnis

Mäusebussard

© Stephen Gill
Landeerlaubnis

Weißbauch-Seeadler

© Stephen Gill