Brot und Spiele

  • TEXT ANDREAS BOCK
  • ILLUSTRATION MATT JOHNSON

Ein Tor würde dem Spiel guttun – oder ein Snack! Fußball und Essen gehören zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Im Stadion gibt es zum Glück beides

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England

Meat pie

Die saftige Blätterteigpastete hat es sogar ins Liedgut der Fans geschafft – angeblich dank des 140-Kilo-Kolos­ses William „Fatty“ Foulke, der um 1900 das Tor von Sheffield United hütete. Bei jedem Auswärtsspiel soll ihm der Spott der gegnerischen Fans entgegengehallt sein: „Who ate all the pies?“ Den Chant hört man in englischen Stadien heute noch – oft nach der Sommerpause, wenn ein Spieler mit ein paar Pfunden zu viel aus dem Urlaub zurückkehrt.

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Argentinien

Choripán

Das britische Fußballmagazin FourFourTwo erstellte 2017 die Liste „53 Dinge, die ein Fußballfan vor seinem Tod tun sollte“. Ein Tipp: Choripán essen in Argentinien. Das fettige Wurstsandwich, das Leibgericht Lionel Messis, vertilgt man im Gehen, auf dem Weg zum Stadion. Als der Star des FC Barcelona einmal in einer Formkrise war, strich ihm sein Trainer Pep Guardiola zwei Nahrungsmittel: Schoko-Erdnüsse und Choripan. Das half.

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Österreich

Schnitzelsemmel & Käsekrainer

Helles Weizenbrötchen, Salatgarnitur und ein panierter Fleisch­lappen etwa in der Größe eines ­Tischtennisschlägers – fertig ist die Schnitzelsemmel. Gegessen wird sie vorwie­gend bei Austria und Rapid Wien. Der Käsekrainer entfachte vor einigen Jahren einen Streit mit den Slowenen, die den Begriff „Krainer Wurst“ schützen ließen. Der Wiener Volksmund nennt die Würstchen wegen der Farbe des auslaufenden heißen Käses ohnehin nur „Eitrige“. Na dann: Guten Appetit.

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USA + Kanada

Nachos XXL + Cola XXL

Kulinarische Völkerfreundschaft: Beim ML Soccer stehen die Fans – gerade an der Westküste – auf mexikani­sches Fast Food. Besonders beliebt sind Nachos. Viele Fans beginnen schon Stunden vor dem Anpfiff mit dem Tortilla-­Chips-Konsum auf „Tailgate-­Partys“. Sie treffen sich auf dem Parkplatz des Stadions, klappen ihre Kofferräume auf  – und essen. Die Nachos werden mit Käse überbacken, mit ­Jalapeños garniert.

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Schweden

Hotdog

In schwedischen Fußballsta­dien erfreut sich das rot eingefärbte Würstchen (røde ­pøl­ser) großer Beliebtheit. Eines der besten Zitate von Zlatan Ibrahimović: „Zuerst ging ich nach links, und er auch. Dann ging ich nach rechts, und er auch. Dann ging ich erneut nach links, und er ging einen Hotdog kaufen.“ Der exzentrische Stürmer meinte keinen hartnäckigen Autogrammjäger, sondern Liverpools Schweizer Ver­teidiger Stéphane Henchoz.

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Spanien

Bocata de jamón

In der Halbzeitpause hört man in spanischen Stadien immer wieder den Satz „Quiero un ­bocata!“ Am liebsten hat der Spanier sein Brötchen mit jamón (Schinken) oder chorizo (scharfer Wurst). Viele bringen ihr Sandwich von zu Hause mit. Der Spanier hat einen Hang zu Fleisch im Stadion: 2002 nahmen Barcelona-Fans beim Clásico einen Schweinekopf mit, um ihn während des Spiels auf Luis Fígo zu werfen. Der war zuvor zum verhassten Rivalen Real Madrid gewechselt.

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Deutschland

Bratwurst und Bier

Beim Fußball geht’s um die Wurst. In Deutschland gründete sich 2009 gar eine Vereinigung namens „Fußballwurst“, um die beste Bratwurst in deutschen Stadien zu ermitteln. Testsieger: der FC Villingen 08 und der USC Paloma Hamburg. Der legendäre Ex-Profi Willi Landgraf schwärmt bis heute von der Wurst am alten Aachener Tivoli. „Da war es so zugig, dass der Wurstgeruch von den Buden direkt aufs Spielfeld wehte. Das war hart.“

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Südafrika

Biltong

Noch beliebter als die Vuvuzela-Tröte ist in Südafrikas Stadien Biltong. Das Wort setzt sich aus den niederländischen Worten bil (Keule) und tong (Zunge) zusammen. Angeblich macht das salzige Trockenfleisch (vom Rind, Strauß oder Kudu) süchtig, in Kapstadt soll es gar Selbst­hilfegruppen geben. Der ­Rugbyprofi Sam Broster wurde 2014 für zwei Jahre wegen Dopings gesperrt. Broster verteidigte sich: Er habe nur Biltong gegessen.