Haenyo-Taucherinnen auf der Insel Jeju
© Ed Jones/Getty Images

Muss man das wirklich probiert haben, siegt die Neugierde oder die Furcht? Reporter Adrian Pickshaus versuchte es in Südkorea mit Abalone, einer raren Schneckenart.

Manche Delikatessen kosten wir nur, um stolz davon zu erzählen. Auch bei der Abalone (Seeohr) ist der Mythos größer als der Genuss. Diese Spielart der Mee­res­schnecke durfte ich auf der süd­korea­nischen Insel Jeju probieren. Roh als ­Sashimi serviert, und mit Reis zu einem Porridge verkocht. Letzteres schmeckt salzig und schleimig, die rohe Variante recht knautschig und zäh.

Jeju liegt rund 80 Kilometer vor der koreanischen Südküste, ein grüner Tupfer im Blau. In den felsigen Buchten des Eilands tauchen alte Frauen nach Beute: die Haenyo. Dank einer speziellen Atemtechnik können sie bis zu vier Minuten unter Wasser bleiben. Genug Zeit, um den Meeresgrund nach Seegras, Tinten­fischen und, genau, den Abalonen abzusuchen. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts geht das so.

Der Ursprung liegt in der Steuerpolitik: Männliche Taucher mussten Abgaben leisten, weibliche nicht. Also wurden die Männer zur Hausarbeit eingeteilt, die Frauen aber stiegen in die nasse Tiefe. Mitte der 1960er-Jahre übten rund 30 000 Haenyo ihren riskanten Beruf aus. Vom verdienten Lohn schickten sie ihre Kinder auf die Uni – und legten so den Grundstein für das Aussterben ihrer Zunft.

Einige Hundert Haenyo gibt es noch auf Jeju. Am Strand von Seong­san führen sie ein Restaurant. Dort lächelte ich in ihre salzgegerbten Gesichter, trank ein kühles Hite-­Bier, kaute auf der rohen Abalone herum. Dass es weiter blüht, das Geschäft der tapferen Taucherinnen.

visitkorea.or.kr

ICN

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