Oktoberfest in München
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Fundglück

  • TEXT SARA MOUSLY

Jacken, Handys, Eheringe: Hubertus Busch sorgt dafür, dass Oktoberfest-Besucher wiederbekommen, was sie verlieren.

Meine Kollegen und ich arbeiten das ganze Oktoberfest lang im Dreischichtbetrieb im Fundbüro auf der Theresienwiese. 500 bis 600 Kunden kommen täglich. Manche geben uns Rätsel auf. Einmal hat jemand ein iPad verloren, ein anderer 15 000 Euro in bar. Wer nimmt so etwas mit auf die Wiesn? Eine Geldbörse mit PIN-­Nummer, wer tut denn so etwas?

Die Geschichten hinter den Dingen bleiben oft verborgen. Einmal war ein Rollstuhl verschwunden, Tage später ist er wieder aufgetaucht. Wie war er weggekommen? Beide Eheringe eines Paars – vermisst und wiedergefunden. Was passiert war, weiß ich nicht. Dafür offenbart sich mir jeden Tag die volle Bandbreite menschlicher Gefühle. Verzweifelte Gesichter und solche, die vor Glück strahlen. Männer und Frauen fallen mir um den Hals oder fangen spontan an zu singen. Ich habe ein gestandenes Mannsbild mit Tränen in den Augen gesehen. Einen Professor Dr. Dr., der sich über eine billige Kamera unglaublich herzlich gefreut hat. Andere werden aggressiv, weil sie nicht auf eigene Faust die Regale durchwühlen dürfen.

Draußen mag es rundgehen

Draußen mag es rundgehen, ...

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... Fundbüro-Chef Hubertus Busch ...

... Fundbüro-Chef Hubertus Busch ...

© Elias Hassos
... hält seinen Laden in Ordnung

... hält seinen Laden in Ordnung

© Elias Hassos

  Freude, Wut und Trauer werden durch den Alkohol noch verstärkt. Meine Mitarbeiter und ich sind geschult, den menschlichen Faktor zu berücksichtigen. Und den richtigen Eigentümer zu finden. Es kann niemand hereinspazieren und sich spontan eine Jacke aussuchen. Wobei die Chancen gar nicht schlecht stehen, diese Jacke ein halbes Jahr später in unserem städtischen Fundbüro zu ersteigern: Gerade mal 35  Prozent der rund 4000 bei uns abgelieferten Dinge werden zurückvermittelt. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft! Besonders bei Fahrrädern und Handys fällt mir das auf, man kann ja alles Mögliche versichern. Viele wollen lieber etwas Neues haben, obwohl die verlorenen Sachen fast noch neuwertig sind. Auf der Wiesn liegt es sicher auch daran, dass viele Menschen unsere Einrichtung nicht kennen. In vielen Ländern gibt es gar keine Fundbüros. Und manchem fällt vielleicht erst am nächsten Morgen im Flieger auf, dass etwas fehlt.


Die häufigsten Fundsachen 2017

1470

Ausweise

720

Geldbeutel

680

Kleidungsstücke

520

Mobiltelefone

380

Schlüssel

375

Brillen

110

Taschen


Von München in die Welt

137 Ziele in 44 Ländern bedient Lufthansa ab München – das macht 2700 Starts und Landungen täglich an diesem Standort.

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