Skytalk: Charlize Theron
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„Ich habe immer noch Panik, gefeuert zu werden“

  • INTERVIEW PATRICK HEIDMANN

Zum ersten Mal ist Charlize Theron in einer romantischen Komödie zu sehen. Im Interview spricht sie über politische Ambitionen und ihre Lust am Geschichtenerzählen.

Frau Theron, man kennt Sie aus harter Kost wie „Monster“ oder als Actionheldin in „Atomic Blonde“. In „Long Shot -Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“, der in Deutsch­land am 20. Juni startet, spielen Sie erstmals die Hauptrolle in einer waschechten Romantic Comedy.

Ich hätte selbst auch niemals damit gerechnet, dass ich irgendwann mal in einem Film wie „Long Shot“ mitspiele. Alles, was mir aus diesem Genre angeboten wurde, fühlte sich einfach nicht richtig an – schräge Komödien wie „Young Adult“ oder „Gringo“ sind viel eher mein Ding. Aber als Seth Rogen anklopfte, konnte ich nicht Nein sagen.

Sie spielen in „Long Shot“ eine Politikerin, die Präsidentin der USA werden will. Werden wir Ähnliches auch bald in der Realität erleben?

Eine Frau als Präsidentin? Da sind wir in den USA leider ziemlich spät dran. Im Rest der Welt gab es ja schon etliche Regierungschefinnen, das macht die Situation hier noch ein wenig trostloser. Aber ich hoffe, dass wir bald aufschließen.

Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages selbst ein politisches Amt zu bekleiden?

Bloß nicht! Ich bin sehr dafür, dass Frauen Verantwortung übernehmen und Veränderungen anstoßen. Aber ich selbst habe nicht das Bedürfnis, eine von ihnen zu sein. Und vermutlich auch nicht das Talent dazu.

Skytalk: Charlize Theron

Ungleiches Paar: Charlize Theron und Seth Rogen in "Long Shot" (2019)

© SND

Immerhin sind Sie mit Ihrer Stiftung, dem Charlize Theron Africa Outreach Project, durchaus politisch tätig.

Klar, da gibt es Berührungspunkte zur Politik. Ich will etwas bewirken und helfen. Aber mein Kampf gegen Aids unter jungen Menschen in Afrika ist etwas ganz anderes, als ein Land zu regieren.

Wo wir gerade von Visionen sprechen: Wie groß ist Ihre Angst vor der Zukunft, wenn Sie auf Klima- und Umweltprobleme blicken?

Angst ist nicht das Wort, das ich verwenden würde. Natürlich blicke ich mit Sorge auf die Entwicklung unseres Planeten, aber ich bin ein optimistischer Mensch. Wir dürfen uns nicht zurücklehnen, sondern müssen um unsere Zukunft kämpfen. Mein siebenjähriger Sohn zum Beipiel geht ganz selbstverständlich mit Mülltrennung und Recycling um.

Sie gelten auch als Paradebeispiel dafür, wie man Kinder und Karriere unter einen Hut bekommt.

Ganz ehrlich: Ich mache meine Sache genauso gut oder schlecht wie andere Mütter. Bei mir kommt vielleicht hinzu, dass ich wegen meines Berufs viel reisen muss – aber das geht vielen anderen Müttern genauso. Ich finde es sehr ermutigend, dass ich nicht die Einzige bin, der diese Balance ganz gut zu gelingen scheint.

Skytalk: Charlize Theron

Für "Monster" - Theron spielt eine Mörderin - erhielt sie 2004 einen Oscar

© ddp images

Eigentlich wirken Sie wie eine Frau, die keine Zweifel kennt …

Weit gefehlt! Auch nach über 20 Jahren habe ich immer noch die Panik, dass etwas schiefgehen könnte und ich gefeuert werde. Aber das ist kein schlimmes Gefühl, im Gegenteil: Ich empfinde es als beruhigend, dass mein Beruf immer noch eine Herausforderung für mich ist. Das Gefühl, alles im Schlaf zu können und nur noch blind zu funktionieren, möchte ich mit aller Kraft vermeiden.

Ihre Produktionsfirma Denver & Delilah Productions gründeten Sie Anfang des Jahrtausends. Wie ist Charlize Theron als Boss?

Mir ist wichtig, dass alle gerne bei mir arbeiten. Die meisten meiner Mitarbeiter sind seit bald 20 Jahren dabei. Hierarchien sind zweitrangig, wenn alle ihren Job lieben. Mir ist egal, ob jemand im Büro, von zu Hause oder vom anderen Ende der Welt arbeitet. Wichtiger sind mir Engagement und eine gute Atmosphäre – in dieser Hinsicht habe ich mit meinen Mitarbeitern wirklich Glück.

Ist es ab einem gewissen Karrierestadium einfacher, hinter der Kamera tätig zu sein als davor?

Ich produziere nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Interesse. Neun von zehn Rollen, die ich übernehme, sind solche in Filmen, die ich selbst entwickelt habe. Es macht Spaß, intensiv mit Regisseuren oder Autoren zu arbeiten – und gemeinsam die Geschichten wirklich von Beginn an zu spinnen. Das ist befriedigender, als ein fertiges Drehbuch geschickt zu bekommen. Ob das Produzieren wichtiger wird, je älter ich werde? Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich gern Geschichten erzähle. Vor der Kamera, dahinter genauso, und am liebsten in der Kombination von beidem!