Skytalk: "Ich muss nicht den Hamlet spielen" Eddie Redmayne
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„Ich muss nicht den Hamlet spielen“

  • INTERVIEW PATRICK HEIDMANN

Ein Pendler zwischen Fantasy und Drama: Eddie Redmayne liebt »Phantastische Tierwesen«, schwört auf langjährige Ratgeber und schätzt auch Fortsetzungen im Kino.

Mr. Redmayne, erinnern Sie sich an Ihren allerersten Dreh?

Aber selbstverständlich! Das war für eine Kindersendung namens „Animal Ark“, und ich war 14 oder 15 Jahre alt. Es war in den Sommerferien, und ich wollte mir unbedingt die Haare wasserstoffblond färben, weil das damals alle meine Freunde machten. Allerdings bin ich farbenblind  und sprühte so viel von dem Zeug in meine Haare, dass sie orange wurden. Ich weiß noch, dass in dieser halbstündigen Fernsehsendung alle paar Minuten meine Haarfarbe wechselte, weil ich jeden Dreh­tag aufs Neue versuchte, noch etwas daran zu ändern.

Das ist 20 Jahre her – wissen Sie noch, welche Ziele und Träume Sie damals hatten?

Ist das wirklich schon 20 Jahre her? Wie schräg! Ehrlich gesagt hatte ich zu der Zeit gar keine großen Ambitionen in Sachen Film und Fernsehen, auch weil ich bis dahin nur das Theaterspielen kannte. Es hätte mir, was mein Lebensglück angeht, völlig genügt, einfach weiter auf der Bühne zu stehen, so wie ich es während meiner Schulzeit tat.

Ehrgeiz ist Ihnen fremd?

Das nicht, aber mein Ehrgeiz richtet sich nie auf ein bestimmtes Ziel. Ich will jeden Job, den ich annehme, so gut wie irgend möglich machen, und dafür arbeite ich auch hart. Aber ich war nie ein Träumer, der sich bestimmte Ziele setzt, denen er hinterherrennt. Etwa einmal im Leben den Hamlet spielen – solche konkreten Fantasien sind mir fremd.

Alicia Vikander und Eddie Redmayne in "The Danish Girl" (2015)

Alicia Vikander und Eddie Redmayne in "The Danish Girl" (2015)

© Focus Features/ Courtey Everett Collection/action press

Hatten Sie in Ihrer Jugend einen Mentor, der Sie vor den Fallstricken des Schauspielberufs warnte?

Das nicht, aber ich hatte einen ganz wunderbaren Lehrer. Das war noch in der Schule, er heißt Simon Dormandy, ein ehe­maliger Schauspieler, der sich später ganz aufs Unterrichten verlegt hat. Er behandelte uns Teenager im Internat damals wie Erwachsene, und dieser Respekt, den er uns gegenüber zeigte, hat mich sehr geprägt. Überhaupt verdanke ich ihm in Sachen Ausbildung alles, ich habe ja auch danach nie eine Schauspielschule besucht. Noch heute suche ich manchmal Simons Rat, wenn ich vor einer neuen, großen Herausforderung stehe. Bis heute fühle ich mich bei niemandem so gut aufgehoben und sicher wie bei ihm.

Sie haben jetzt eine Fortsetzung des Erfolgsfilms „Phantastische Tierwesen“ gedreht. Ist das nicht etwas langweilig für einen echten Schauspieler?

Ich könnte mir vorstellen, dass es Filme gibt, bei denen das zutrifft. Aber meine Erfahrung bei diesem Film war anders, aus verschiedenen Gründen. Zum einen haben die Geschichten von Joanne K. Rowling diese Magie, diesen Einfallsreichtum und die Verspieltheit, die Kinder lieben, aber auch Erwachse­ne begeistern. Dem erliegt man auch als Schauspieler. Und der Film erzählt nicht einfach das Gleiche noch einmal, er geht einen Schritt weiter. Es steht für Newt Scamander, den ich spiele, und die anderen Figuren noch mal deutlich mehr auf dem Spiel.

Sie haben es also nicht bereut, einen Vertrag gleich für eine ganze Filmreihe unterschrieben zu haben?

Kein bisschen! Es macht sehr viel Spaß, Teil dieser Fantasiewelt zu sein. Von den Technikern, die an Spezialeffekten tüf­teln, über die Puppenspieler bis hin zu den Kostümdesignern und Ausstattern sind alle im Team so unglaublich kreativ, von meinen Schauspielkollegen ganz zu schweigen. Unser Regisseur David Yates hat wirklich eine großartige Truppe zusammengestellt. Was mir auch hilft: Ich bin meiner Rolle noch lange nicht überdrüssig – ich liebe diesen Newt!

Macht es für Sie als Schauspieler einen großen Unterschied, ob Sie in einem solchen Fantasy-Spektakel mitspielen oder in Filmdramen wie dem Stephen-Hawking-Film „Die ­Ent­deckung der Unendlichkeit“ oder „The Danish ­Girl“?

Nicht, was die Arbeit an sich angeht. Aber ich empfinde es als sehr willkommene Abwechslung, nach so dramatischen Rollen, in denen ich ja reale Personen verkörpert habe, einen völlig anderen Kontext für meine Figur zu haben. Es war sehr befreiend, mal von der Tragik der Realität befreit zu sein.

 

Eddie Redmayne in "Phantastische Tierwesen: Grindewalds Verbrechen"

Eddie Redmayne in "Phantastische Tierwesen: Grindewalds Verbrechen"

© Warner Bros. Entertainment INC.

 Wir sind Nomaden – da finde ich etwas Ordnung im Leben ganz angenehm

Ist es seltsam, wenn Sie bereits jetzt wissen, dass Sie im Sommer 2019 den nächsten Teil der „Phantastischen Tierwesen“ drehen werden, dass Sie 2020 dafür auf Werbetour gehen … oder mögen Sie diese Planungssicherheit?

Stimmt, es ist anders als gewohnt. Als Schauspieler verliert man sonst oft die Kontrolle über seinen Terminkalender. Wir wissen nie, wann wir die nächste Rolle bekommen, wann gedreht wird, wann ein Film wirklich in die Kinos kommt. Das führt zu einem Nomadenleben, ein bisschen wie ein Wanderzirkus. Es gibt Leute, die das richtig gut finden: meine Frau zum Beispiel, die es liebt, wenn wir viel reisen. Aber ich finde etwas mehr Ordnung im Leben ganz angenehm.

Dann mögen Sie Langzeitprojekte wie diesen Fünfteiler?

Ja, das fängt schon damit an, dass wir in London gedreht haben, bislang jedenfalls. Ich musste also nur von zu Hause zur Arbeit fahren, statt am anderen Ende der Welt im Hotel zu ­sitzen. Und ich finde es auch alles andere als schlimm, jetzt schon zu wissen, was ich im kommenden Sommer machen werde. Außerdem ist bis dahin ja noch genug Zeit für das Ungeplante und ein wenig Nomadentum.

Wenn Sie auf Ihre Rollen der vergangenen zwei Jahrzehnte zurückblicken: Gibt es außer Newt Scamander noch eine, die Sie gern ein zweites Mal spielen würden?

Puh … ich glaube, da fällt mir nichts ein. Aber mit etlichen Kolleginnen, mit denen ich schon gedreht habe, würde ich gern noch einmal arbeiten, mit Kristen Stewart oder Julianne Moore zum Beispiel. Ansonsten würde ich höchstens den einen oder anderen Film noch einmal drehen wollen, um ein paar Fehler zu korrigieren, die ich damals gemacht habe. Es ist echt schade, dass das nicht möglich ist!