Lufthansa: Stars an Bord
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Die Gespräche mit Weltstars aus Film, Musik und Sport sind seit dem ersten Lufthansa Magazin ein Kernstück des Hefts. Zum Jubiläum: die schönsten Porträts und besten Zitate.

Julie Delpy

Sind Sie eine gefürchtete Diktatorin am Set?
Die Kunst ist, den Schauspielern gelassene, ruhige Stärke zu vermitteln. Sie sollen mich nicht fürchten, sie sollen mir vertrauen. Aber wenn ich will, kann ich wahnsinnig ein­schüch­ternd sein! Ich übe das vor dem Spiegel, ich kann Angst machen wie sonst niemand! Ist doch klar, ich bin schließlich Schauspielerin.

Vor einiger Zeit haben Sie gesagt, eine Regisseurin müsse etwa viermal so durchsetzungsfähig sein wie ein Regisseur. Stimmt das noch?
Vielleicht dreimal, wenn man an Frankreich denkt. Und zehnmal, was die USA betrifft. Dort sind Regisseurinnen immer noch viel seltener. Das liegt daran, dass Hollywood Filmemachen viel konse­quenter als ein Geschäft versteht, während man in Europa auch Menschen trifft, die glauben, es habe mit Kunst zu tun. Ich glaube, Frauen auf dem Regiestuhl sind, wenn sie es geschafft haben, anspruchsvoller. Außerdem bringen sie ihre Gefühle ein, also funktionieren sie nicht völlig reibungslos. Das ist ein Risi­ko, wenn man Geschäfte machen will.


 

Kevin Costner

Sind Sie noch immer Richard Burton dankbar, dass er Sie Ende der Siebziger davon überzeugt hat, Schauspieler zu werden?
Nein, dankbar ist das falsche Wort. Er hat aber seine Spur in meinem Leben hinter­lassen. Ich traf ihn zufällig auf einem Flughafen in Mexiko. Ich war mir noch unsicher mit der Schauspielerei. Ich bin einfach auf ihn zugegangen und dachte mir, der ist ein berühmter Schauspieler, dann kann er mir vielleicht ein paar Fragen zu seinem Beruf beantworten. Außerdem lebte er ein Leben voller Dramen, Scheidungen, Zerwürfnisse. Ich wollte aber kein Leben voller Dramen haben. Deshalb fragte ich ihn: „Kann ich auch Schauspieler sein ohne den üblen Teil?“

Und was hat er Ihnen geantwortet?
Er schaute mich an und sagte einfach: „Du hast grüne Augen.“ Dann machte er eine lange Pause und sagte: „Ja, mein Junge, man kann ein Leben führen ohne größere Tumulte. Ein Leben ohne Schürfwunden und blaue Flecken gibt es allerdings nicht. Die sind nicht zu vermeiden.“

Quentin Tarantino, Regisseur und Schauspieler

Quentin Tarantino,
Regisseur und Schauspieler

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Scarlett Johansson, Schauspielerin

Scarlett Johansson,
Schauspielerin

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Daniel Barenboim

Was treibt Sie an?
Das Größte, was man über die Musik sagen kann, ist ihre Unwiederholbarkeit. Wenn ich an zwei Tagen hintereinander das gleiche Stück spiele, habe ich am zweiten Abend wieder etwas gelernt – und sei es ein Fehler, den ich nicht wiederhole. Der Klang ist weg, ich fange wieder bei null an. Es ist diese Erneuerung, die mich antreibt.

Haben Sie nie an Abschied gedacht?
Warum Abschied? Mir wird immer gesagt, 70 ist heute jung. Jedes Jahr gebe ich am 19. August eine kleine Feier. Es ist der Tag, an dem ich das erste Mal auf einer Bühne stand: der 19. August 1950. Normalerweise bin ich mit dem West-Eastern Divan Orchestra auf Tournee, nach dem Konzert lade ich alle Musiker ein, die mir menschlich und musikalisch nahe sind. Es wird schön gegessen, ein Glas Champagner getrunken und eine Zigarre geraucht. Das ist meine Statistik.


 

Jonathan Franzen

Sie erzählten mal, dass vor allem die deutschen Klassiker und die deutsche Sprache Ihnen die Literatur nahegebracht haben …
Ich bin in Missouri aufgewachsen. Ich wollte nichts mehr, als von dort wegzukommen. Europa hatte scheinbar alles, was ich wollte: eine uralte Zivilisation, in der man gute
Ideen noch ernst nimmt, guten Kaffee, guten Wein, gutes Bier. Als ich ein Alter erreicht hatte, in dem man Bücher nicht mehr einfach nur so zum Spaß liest, sondern plötzlich merkt, dass es da noch mehr gibt, als nur die Seiten umzuschlagen, hatte ich die deutschen Klassiker in der Hand. Das war Zufall. Und die Deutschen waren toll, die haben zu meinem Charakter gepasst.

Mads Mikkelsen, Schauspieler

Mads Mikkelsen,
Schauspieler

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Julianne Moore, Schauspielerin

Julianne Moore,
Schauspielerin

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Elīna Garanča

Was bedeutet Ihnen der Applaus?
Ich bin sehr dankbar, aber ich bewerte den Abend nicht danach. Mir geht es um diesen einen besonderen Moment, wenn alle mit­einander verbunden sind – jede Faser, von der Bühne bis in den Zuschauerraum. Keiner denkt dann an etwas anderes. Niemand hustet oder flüstert, keiner schaut aufs Telefon. Das macht mich glücklich. Das ist meine Belohnung.

Gibt es noch Abende, an denen dieser Moment ausbleibt?
Selten. Es kommt vor, dass man ihn am Ende gerade noch erwischt. Oder man denkt, man hat’s erwischt, aber dann vielleicht doch nicht … Das Rezept für einen erfolgreichen Abend ist ein Mysterium – aber das ist ja das Schöne daran.

Strebt man als Sänger nicht danach, solche Ungewissheiten auszuschalten?
Sänger, die volle Kontrolle wollen, sind im falschen Beruf.


 

Don Winslow

Wie kamen Sie zum Detektivjob?
Die Verleger standen nicht gerade ­Schlange, um mich reich und berühmt zu machen. Also habe ich in Kinos am Times Square Taschen­­diebe überführt, während „Star Wars“ über die Leinwand flimmerte. Später habe ich weg­gelaufene Teenager aufgespürt.

Sie waren außerdem lange als Safariführer in Afrika. Was haben Sie dabei gelernt?
Dass das, was man sieht, zum Beispiel eine Herde fliehender Giraffen, das Resultat von etwas ist, das man nicht sieht, etwa einem Löwen auf der Jagd. Und man lernt, daraus abzuleiten, was in den nächsten Minuten passie­ren wird. Ähnlich wie bei Detektiven oder Surfern. Wenn man auf den Ozean schaut, sieht man nur die Wellen, nicht aber, was sie bewegt. Surfer und Detektive müssen aber wissen, was sich unter der Oberfläche abspielt. Denn das ist es, was ihnen gefährlich werden kann.

Manuel Neuer, Fußballprofi

Manuel Neuer,
Fußballprofi

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Kent Nagano, Dirigent

Kent Nagano,
Dirigent

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Noomi Rapace

Welches war das größte Risiko, das Sie 2017 eingegangen sind?
Ich habe mich verliebt, und ich habe es angenommen. Sonst bleibe ich emotional immer auf der sicheren Seite und kontrol­liere alles. Ich war immer der stärkere Teil in einer Beziehung. Der Mann muss besessen von mir sein, und ich bin der Boss. Ich bin nie das Risiko eingegangen, verlassen zu werden. Aber jetzt sage ich: F*** it! Ich will nicht die sein, die immer die sichere Karte ausgespielt hat. Das ist Vergangenheit! Was soll schon passieren?

Woher nehmen Sie den Mut, nun Ihr Herz zu öffnen?
Ich hatte diese Vision von mir als alter Frau. Und ich möchte später nicht auf mein Leben zurückblicken mit dem Gefühl, etwas verpasst zu haben, weil ich immer nur die knallharte Rebellin war. Das wirkt unkonventionell, aber man kann sich sehr bequem in dieser Rolle einrichten. Ich will diese Art von Kontrolle nicht mehr, auch wenn mir jemand wehtut. Das gehört zum Leben. Und jetzt lasse ich mich richtig durchschütteln.


 

Detlev Buck

Leute, die Sie kennen, erwähnen immer wieder Ihren typisch norddeutschen Humor. Sind nur Sie erheiternd? Oder auch Ihre Filme?
Über Humor mache ich mir gar nicht so viele Gedanken. Ich betrachte allerdings mit­hilfe des Humors die Welt und mich selbst, sonst würde ich mich viel zu sehr ärgern.

Worüber denn?
Über die Auskenner! So nenne ich Menschen, die bei allem immer nur gut wegkommen wollen. Die keine Haltung haben, die für nichts stehen, die stets nur vornewegschwimmen. Die riskieren nichts, die wagen nichts und gehen mir tierisch auf den Wecker. Die gibt es überall: in der Filmbranche, in der Redaktion, im Krankenhaus.

Jodie Foster, Schauspielerin

Jodie Foster,
Schauspielerin

© Matt Sayles/dpa Picture-Alliance
Tom Tykwer, Regisseur

Tom Tykwer,
Regisseur

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Will Smith, Schauspieler

Will Smith,
Schauspieler

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Rupert Everett

War es sehr schwierig, bei Ihrem Film „The Happy Prince“ zum ersten Mal Regie zu führen und gleichzeitig Hauptdarsteller zu sein?
Ich war der beste Regisseur, den ich je hatte! Während des Drehs war ich nie besonders zufrieden mit meinem Spiel, was daran lag, dass ich immer wieder in die Rolle des Regisseurs springen musste. Aber im Schnitt konnte ich die Szenen so zusammenfügen, dass ich um Klassen besser wirke! Wir Schauspieler beklagen ja gern, dass Regisseure immer unsere schwächsten Momente in einen Film schneiden. Jetzt konnte ich selbst die besten auswählen.


 

Hélène Grimaud

Was genau passierte in dieser magischen allerersten Klavierstunde mit Ihnen, und in welchem Moment?
Die Lehrerin brachte mich zum Klavier, sie zeigte mir, wie ich die Hände aufs Piano zu legen hatte, wir schlugen ein paar Noten an. Dann einen Akkord, nichts Spezielles, nicht Klassisches. Sie nahm meine Hände, beide Hände, führte sie sanft über die Tasten. Und was ich hörte, führte von Schmerz bis hin zu tiefem Frieden. Es war, als würden sich all die Partikel, die vorher ungeordnet, kreuz und quer durch meinen Kopf jagten, auf einmal anordnen, ausrichten, wie magnetisiert. Als hätte sich eine Tür geöffnet zu einer Welt, in die ich hineingezogen wurde, ohne gezwungen zu werden. Kindern wird Schaden zugefügt, sobald sie auf die eine oder andere Weise an ihrer Suche gehindert werden. Ich hatte Glück.


 

Bertrand Piccard

Was ist das eigentlich, ein Abenteuer?
Ein Abenteuer ist nichts anderes als eine Krise, der man sich stellt. Umgekehrt ist eine Krise nur ein Abenteuer, gegen das man sich wehrt. Das Abenteuer beginnt, sobald Sie Ihre Komfortzone verlassen. Sie verabschieden sich von Sicherheiten, nutzen Ihre Fragen und Zweifel, um Kreativität zu sti­mulieren. Dafür benötigt man keine spekta­kulären Fluggeräte. Es genügt, den Beruf oder Wohnort zu wechseln, eine neue Sprache zu studieren. Vor allem die kleinen, die alltäg­lichen Abenteuer sollten wir nicht übersehen.