Tokio: Heiß und hastig
© Dustin Aksland

Heiß und hastig

  • TEXT THILO MISCHKE

Schwimmendes Glück, das schnell vergeht: die japanische Nudelsuppe Ramen gibt es in Tokio überall, fast jeder Laden hat ein eigenes, geheimes Rezept.

Die erste Ramensuppe in Tokio hat etwas Magisches. Die Brühe legt sich ölig in den Rachen, die Weizennudeln schmerzen heiß auf der Zunge, zartes Schweinefleisch und das Ei, Ajitsuke Tamago, schwimmen in der Schüssel. Ramen kam ursprünglich aus China und wurde im 19. Jahrhundert in Japan populär. Heute ist sie aus keiner westlichen Großstadt mehr wegzudenken.

Etwa 200 000 Ramen-Restaurants soll es in Japan geben, zwischen 5000 und 10 000 in Tokio. Welches nehme ich? Ein Freund schickt mich nach Akihabara, ein Stadtteil, der vor allem für elektronisches Spielzeug bekannt ist. Ein kleines Restaurant, fast immer voll, lange Wartezeiten, es soll zu den besten gehören.

Im „Menya Musashi Bujin“ wird die Suppe am Automaten ausgewählt. Dabei gilt es zu überlegen, ob man tatsächlich die Variante auf Fischsudbasis möchte – sie schmeckt fremd und sorgt für einen seltsamen Geruch im Restaurant. Die „große Portion“ ist für Schwerlastarbeiter geeignet, nicht für einen mitteleuropäischen Magen. Drittens: Ramen nicht andächtig löffeln, sondern herunterschlingen, denn sind die Zutaten in der Brühe, werden nach zehn Minuten die Weizennudeln schleimig. Viertens: Dann bitte zügig gehen, denn hinter dem Platz, auf dem man sitzt, hat sich längst eine Schlange gebildet. Diese Hektik verhindert eine Unsitte, die Speisen oft zu schaffen macht: Bestenlisten. Denn wer schlingt, kann nicht genießen. Ramenregel Nummer 5 für Tokio: Die beste Suppe gibt es immer dort, wo man gerade ist.

Zum Ziel

Lufthansa fliegt im Dezember jeweils täglich von Frankfurt (FRA) und München (MUC) nach Tokio (HND). Die App für Ihre Meilengutschrift: miles-and-more.com/app