© Tim Möller-Kaya

Wilder Ritt in Kathmandu

  • TEXT HELGE TIMMERBERG
  • ILLUSTRATION TIM MÖLLER-KAYA
 

Wie so oft gibt es gute und schlechte Nachrichten. Die schlechte hat mit einer Straße zu tun, die ich nur schwer beschreiben kann. Das liegt hoffentlich nicht an meinen Fähigkeiten, sondern daran, dass sie nahezu unbeschreiblich ist. Ich sitze im Taxi auf dem Weg zu meinem Hotel, das etwa zehn Kilometer außerhalb von Kathmandu liegt, aber wir sind noch immer in einem Randbezirk der nepalesischen Hauptstadt und nicht etwa in der Wildnis. Auf einer der Hauptverkehrsadern der Metropole quälen wir uns im Schneckentempo über eine, wie ich finde, unbefahrbare Piste. Aber alle befahren sie. Alle gegen einen und einer gegen alle. „No rules“, sagt der Fahrer. Jeder nutzt seine Chancen, obwohl keiner eine hat. Schlaglöcher, Mulden, Querrinnen und Gräben lösen einander quasi ohne Übergänge ab, und sie alle sind mit schlammigem Wasser gefüllt, man sieht nicht ihre Tiefen. Die Straße arbeitet unermüdlich daran, das Auto zu ruinieren, die Stoßdämpfer sind, wie mir scheint, schon weg. Und sollte es mal Haltegriffe für die Passagiere auf der Rückbank gegeben haben, sind sie längst abgerissen. Es würde mich nicht wundern, wenn von der Klapperkiste alle 20 Meter etwas abfiele, eine Radkappe hier, ein Kotflügel da, bis nur noch ein Skelett mit Karosseriefetzen zurückbleibt.

Doch all das geschieht nicht. Anscheinend wirken die Schlaglöcher von Kathmandu ganz unterschiedlich auf einen Kleinwagen ein: Entweder sie zerlegen ihn. Oder sie stauchen und schlagen das Auto derart zusammen, dass eine Bergziege daraus wird. Aber was wird aus mir? Und aus meinen Bandscheiben, die die Aufgabe der Stoßdämpfer übernehmen
müssen? So viel zu der schlechten Nachricht. Die gute ist: Ich bin on the road again.


Unser Kolumnist pflegt seit 1969 sein heftiges Fernweh, schreibt Reisebücher aus aller Welt – und jeden Monat hier.

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